Im Jahr 2021 kündigte das Land Schleswig-Holstein an, rund 25.000 Arbeitsplätze in der Landesverwaltung von Microsoft Office und Windows auf LibreOffice und Linux umzustellen. Die Entscheidung war nicht in erster Linie eine Kostenfrage. Sie war eine Frage der digitalen Souveränität: Die Landesregierung kam zu dem Schluss, dass sie nicht mehr mit Sicherheit sagen konnte, wo amtliche Dokumente verarbeitet werden und welche Telemetriedaten die Software, mit der Beamtinnen und Beamte täglich arbeiten, im Hintergrund sammelt. Bis 2026 ist die Umstellung weit fortgeschritten, und das Kieler Digitalministerium berichtet von messbaren Einsparungen bei Lizenzkosten. Ein Einzelfall ist das nicht. München, die französische Gendarmerie, das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik mit seinen Empfehlungen zur Open-Source-Nutzung und mehrere Ministerien in EU-Mitgliedstaaten haben in den vergangenen zehn Jahren ähnliche Migrationen geprüft oder umgesetzt. Die zugrunde liegende Tatsache ist für jedes europäische Unternehmen und jede Behörde unbequem: Der weitaus größte Teil der Dokumente, die in Europa geschrieben, unterzeichnet und archiviert werden, läuft durch Software, deren Muttergesellschaft US-Recht untersteht.
Warum Herkunftsland und Datenjurisdiktion bei Office-Software zählen
Wenn ein Dokument in einer cloudverbundenen Office-Suite entsteht, entsteht nicht nur eine Datei, sondern parallel dazu ein Datenstrom. Dieser kann Metadaten, Nutzungsmuster, Bearbeitungsverläufe und in KI-gestützten Tarifen auch den eigentlichen Textinhalt umfassen. Die Jurisdiktion, unter der die Muttergesellschaft operiert, bestimmt, welche Behörden unter welchen rechtlichen Voraussetzungen Zugriff auf diese Daten verlangen können. Es ist der Unterschied zwischen einem Dokument, das ausschließlich der europäischen DSGVO unterliegt, und einem, das potenziell auch über den US-amerikanischen CLOUD Act erreichbar ist. Dieses Gesetz verpflichtet Unternehmen mit Sitz in den Vereinigten Staaten, weltweit gespeicherte Daten herauszugeben, wenn ein US-Gericht dies anordnet.
Für den CLOUD Act von 2018 spielt es keine Rolle, wo die Server physisch stehen. Speichert Microsoft mit Sitz in Redmond, Washington, die Dokumente eines Handwerksbetriebs in einem Rechenzentrum in Frankfurt oder Berlin, bleibt dieser Betrieb in Reichweite von Anfragen der US-Regierung. Das bedeutet keine aktive Überwachung jedes einzelnen Dokuments, wohl aber, dass die rechtliche Architektur einen Zugriff unter bestimmten Umständen erlaubt. Für eine öffentliche Verwaltung, eine Anwaltskanzlei, eine Arztpraxis oder ein Unternehmen mit sensiblem geistigem Eigentum reicht diese Möglichkeit, so selten sie im Alltag auch eintreten mag, um vor der Wahl eines Anbieters eine Jurisdiktionsprüfung zu rechtfertigen. Genau diese Rechnung hat Schleswig-Holstein aufgemacht, und genau diese Rechnung wendet Democratic Market auf jede digitale Produktkategorie an.
Hinzu kommt ein Aspekt, der in Deutschland besonders schwer wiegt: Berufsgeheimnisträger wie Ärzte, Rechtsanwälte, Steuerberater und Notare unterliegen nach Paragraf 203 des Strafgesetzbuchs strengen Verschwiegenheitspflichten. Wer Mandanten- oder Patientendaten in eine Cloud-Office-Umgebung überträgt, muss sicherstellen, dass Dienstleister diese Pflichten vertraglich und tatsächlich einhalten können. Die Datenschutzkonferenz der deutschen Aufsichtsbehörden hat 2022 in einer viel beachteten Stellungnahme festgestellt, dass ein datenschutzkonformer Einsatz von Microsoft 365 auf Grundlage der damals geltenden Vertragsunterlagen nicht nachgewiesen werden könne. Microsoft hat seither nachgebessert, die grundsätzliche Spannung zwischen US-Jurisdiktion und europäischen Schutzpflichten ist aber geblieben.
LibreOffice und die europäischen Alternativen: Office-Suiten mit dem stärksten demokratischen Profil
LibreOffice wird von The Document Foundation entwickelt, einer gemeinnützigen Stiftung mit Sitz in Berlin. Deutschland erreicht im Demokratieindex der Economist Intelligence Unit 8,80 Punkte und gehört damit klar zu den vollständigen Demokratien. Der Quellcode ist offen und für jeden überprüfbar, und die Software enthält keine Telemetrie, die Dokumentinhalte an externe Server meldet. Ein Abonnement gibt es nicht: LibreOffice wird heruntergeladen, installiert und unbegrenzt kostenlos genutzt. Enthalten sind Textverarbeitung (Writer), Tabellenkalkulation (Calc), Präsentationen (Impress), Zeichenprogramm (Draw) und Datenbank (Base). Das native Format ist OpenDocument (ODF), ein offener ISO-Standard, der nicht von einem einzelnen Privatunternehmen abhängt, um auch in zwanzig Jahren noch lesbar zu sein. Bei geschlossenen, proprietären Formaten unter der Kontrolle eines einzigen Herstellers ist das eine berechtigte Sorge, die Archivare und Behörden seit Jahren umtreibt.
Collabora Online, entwickelt von Collabora Productivity mit Sitz im britischen Cambridge, setzt auf der LibreOffice-Engine eine kollaborative Echtzeitbearbeitung auf. Das Vereinigte Königreich erreicht im EIU-Index 8,28 Punkte. Collabora ist für die Integration in Plattformen wie Nextcloud aus Stuttgart oder ownCloud konzipiert und ist die Option, zu der öffentliche Verwaltungen greifen, wenn sie gleichzeitige Dokumentbearbeitung benötigen, ohne einen US-Cloudanbieter einzubinden. Das deutsche Bundesprojekt openDesk, das vom Zentrum für Digitale Souveränität (ZenDiS) koordiniert wird, kombiniert genau solche Bausteine zu einem souveränen Arbeitsplatz für die Verwaltung. Ergänzt wird das Angebot durch ein zunehmend reifes europäisches Hosting-Ökosystem: Rechenzentrumsbetreiber in Deutschland, den Niederlanden (EIU 8,88) und Frankreich (EIU 7,99) ermöglichen es, diese Suiten vollständig auf Infrastruktur unter europäischer Jurisdiktion zu betreiben.
Für Anwender, die LibreOffice nicht selbst betreiben möchten, gibt es zudem kommerzielle Supportangebote aus Europa. Neben Collabora bieten deutsche Dienstleister wie allotropia aus Hamburg Wartungsverträge, Langzeitversionen und Anpassungen für Behörden und Unternehmen an. Damit entfällt das häufig vorgebrachte Argument, Open-Source-Software habe keinen verantwortlichen Ansprechpartner. Wer Service-Level-Vereinbarungen, Sicherheitsupdates mit garantierten Reaktionszeiten und Unterstützung bei der Migration braucht, kann diese Leistungen bei Firmen einkaufen, die ihrerseits europäischem Recht unterliegen.
Microsoft 365 und WPS Office: Abhängigkeit, Cloud Act und intransparente Herkunft
Microsoft Office, heute als Microsoft 365 vertrieben, stammt aus Redmond in den Vereinigten Staaten. Die USA erreichen im EIU-Demokratieindex 7,85 Punkte und gelten dort als unvollständige Demokratie. Das Problem ist nicht die Qualität der Software, die allgemein anerkannt ist. Es ist die Architektur der Abhängigkeit: Das Modell hat sich von unbefristeten Lizenzen zu einem Abonnement verschoben, sodass ein Ende der Zahlung den Verlust der vollen Bearbeitungsfunktionen für die eigenen Dokumente bedeutet. Hinzu kommt eine Erhebung von Nutzungstelemetrie, die deutlich umfassender ist als bei europäischen Konkurrenten. Der Europäische Datenschutzbeauftragte hat 2024 festgestellt, dass die EU-Kommission selbst beim Einsatz von Microsoft 365 gegen Datenschutzvorschriften für EU-Institutionen verstoßen hatte, unter anderem wegen unzureichender Festlegung, welche Daten zu welchen Zwecken übermittelt werden.
Microsoft 365 integriert zudem immer stärker generative KI-Funktionen unter dem Namen Copilot, die Dokumentinhalte auf Cloud-Servern verarbeiten, um Zusammenfassungen, Vorschläge und automatische Antworten zu erzeugen. Auch dort, wo Microsoft eine EU Data Boundary anbietet, bleibt die Muttergesellschaft dem CLOUD Act unterworfen, sodass die beschriebene rechtliche Exponierung bestehen bleibt. Für eine Privatperson mag das eine Randnotiz sein. Für eine Behörde, eine Kanzlei oder ein Unternehmen mit Geschäftsgeheimnissen ist es ein Risikofaktor, der vor der Unterzeichnung eines Jahresabonnements geprüft werden sollte. Democratic Market schließt US-Unternehmen nicht aus ideologischen Gründen aus. Die USA liegen klar über unserer Indexschwelle, doch für diese Kategorie besteht Microsoft unsere zusätzliche Prüfung der Datenjurisdiktion nicht, weshalb es nicht zu unseren aktiven Empfehlungen gehört.
Ein deutlich ernsteres demokratisches Risiko betrifft eine Suite, die in Preisvergleichen oft als günstige Alternative auftaucht: WPS Office des Herstellers Kingsoft mit Sitz in Peking. China erreicht im EIU-Index lediglich 2,11 Punkte und wird als autoritäres Regime eingestuft. Chinesische Unternehmen unterliegen dem Nationalen Nachrichtendienstgesetz von 2017, das Organisationen zur Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden verpflichtet, ohne dass unabhängige Gerichte dies wirksam kontrollieren könnten. Nutzer berichteten zudem wiederholt über Inhaltsfilterung in der Cloud-Version. Für Democratic Market liegt WPS Office damit eindeutig unter der Schwelle von 6,0 und kommt für eine Empfehlung nicht in Betracht, unabhängig von Preis oder Kompatibilität.
Microsoft Office vs LibreOffice: Funktionen, Preis und demokratisches Profil im direkten Vergleich
Beim reinen Funktionsumfang decken beide Suiten dasselbe Terrain ab: Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentationen und im Fall von LibreOffice ein Datenbankwerkzeug (Base), das Microsoft mit Access nur in professionellen Tarifen beilegt. Die Formatkompatibilität ist bei aktuellen LibreOffice-Versionen in beide Richtungen nahezu vollständig, auch wenn Dokumente mit komplexen Visual-Basic-Makros kleinere Anpassungen erfordern können. Beim Preis ist der Unterschied strukturell: Microsoft 365 Single kostet in Deutschland derzeit rund 99 Euro im Jahr, die Business-Tarife deutlich mehr pro Nutzer und Monat, während LibreOffice dauerhaft kostenlos bleibt, ohne Bezahlstufen und ohne Funktionen hinter einer Abo-Schranke. Beim demokratischen Profil führt LibreOffice nach Deutschland (8,80) mit offener Entwicklung, Microsoft in die Vereinigten Staaten (7,85) mit geschlossener Entwicklung und einem Abomodell mit aktiver Telemetrie, WPS Office nach China (2,11).
Der Unterschied, der meist übersehen wird, sind die Ausstiegskosten. Die Abkehr von Microsoft 365 nach Jahren tiefer Integration mit OneDrive, Teams, SharePoint und Exchange ist ein ernstzunehmendes Projekt, weshalb Schleswig-Holstein seine Migration über mehrere Jahre und nicht über einige Monate geplant hat. LibreOffice erzeugt auf Basis eines offenen Standards nicht denselben Lock-in: ODF-Dokumente lassen sich ohne Formatverlust und ohne zu verhandelnde Ausstiegsverträge in jede andere standardkonforme Suite öffnen, exportieren und migrieren. Diese Umkehrbarkeit ist selbst eine Form digitaler Souveränität, die Democratic Market bei der Bewertung jeder Softwarekategorie berücksichtigt.
Auch das Support- und Erweiterungsökosystem verdient einen Blick. Microsoft 365 profitiert von einem riesigen Netz zertifizierter Integratoren und Schulungsangebote, das über Jahrzehnte im Unternehmenseinsatz gewachsen ist. LibreOffice stützt sich auf eine verteilte Entwicklergemeinschaft und professionelle Supportfirmen, die Wartungsverträge anbieten, die mit jedem kommerziellen Anbieter vergleichbar sind, ohne den Kunden an ein wiederkehrendes Abonnement oder an jährlich wechselnde Lizenzbedingungen zu binden. Für ein kleines Unternehmen, das keine tiefe Integration mit Microsoft Teams oder Entra ID benötigt, wiegt diese Lücke im Ökosystem deutlich weniger als die direkte Ersparnis bei den Lizenzen und der Verzicht auf Telemetrie.
EU-Gesetzgebung 2026: Data Act, NIS2 und die Strategie für digitale Souveränität
Die DSGVO bleibt die rechtliche Basis, die jeden Anbieter, ob europäisch oder nicht, dazu verpflichtet, die Verarbeitung personenbezogener Daten in Dokumenten zu rechtfertigen. Der Rahmen ist jedoch breiter geworden. Der Data Act, seit September 2025 voll anwendbar, führt Pflichten zur Portabilität und Interoperabilität ein, die Cloud-Office-Suiten direkt betreffen und den Anbieterwechsel ohne Vertragsstrafen erleichtern. Die NIS2-Richtlinie, in Deutschland über das NIS2-Umsetzungsgesetz verankert, verpflichtet zahlreiche Unternehmen kritischer und wichtiger Sektoren, die Sicherheit ihrer Lieferkette einschließlich ihrer Softwareanbieter zu bewerten. Darüber liegt die Strategie der Europäischen Kommission für technologische Souveränität, die 2026 weiterhin gezielt Mittel für öffentliche Verwaltungen bereitstellt, die Open-Source-Software als strategische und nicht nur wirtschaftliche Alternative zu außereuropäischen Anbietern einführen.
Mehrere Länder haben diese Strategie in konkrete Politik übersetzt. Frankreich (EIU 7,99) verfolgt in der Zentralverwaltung seit Jahren eine Politik des Vorrangs freier Software. Dänemark (9,28) und Finnland (9,30), zwei vollständige Demokratien mit europäischen Spitzenwerten, haben Kriterien digitaler Souveränität in öffentliche Softwareausschreibungen aufgenommen und verlangen von Anbietern vor der Vergabe Auskunft darüber, wo Daten verarbeitet werden. In Deutschland treibt das ZenDiS mit openDesk eine souveräne Arbeitsplatzlösung für Bund, Länder und Kommunen voran, und der Koalitionsvertrag verankert das Ziel, Abhängigkeiten von einzelnen Herstellern zu verringern. Diese Politik verbietet amerikanische Software nicht, hebt aber die Prüfhürde, die jeder Anbieter für europäische öffentliche Aufträge nehmen muss.
Der Bildungssektor illustriert diesen Trend besonders gut. Mehrere Bundesländer und Schulträger haben in den vergangenen Jahren den Einsatz von Microsoft 365 an Schulen aus Datenschutzgründen kritisch geprüft oder eingeschränkt, und Landesdatenschutzbeauftragte etwa in Baden-Württemberg kamen nach Pilotprojekten zu skeptischen Einschätzungen. Gleichzeitig setzen Schulnetzwerke in Deutschland und Frankreich LibreOffice als Standardsuite auf Schülerrechnern ein. Die Logik ist einfach: Wer eine Office-Suite in der Schule lernt, nutzt sie oft ein ganzes Berufsleben lang, sodass Softwareentscheidungen im öffentlichen Bildungswesen weit über das Klassenzimmer hinaus wirken. Hinzu kommt die Frage der Langzeitarchivierung: Archivgesetze verlangen, dass Dokumente Jahrzehnte nach ihrer Entstehung lesbar und überprüfbar bleiben, was ein offenes, ISO-standardisiertes Format wie ODF gegenüber einem proprietären Format begünstigt.
Wie Democratic Market Office-Software bewertet
Damit eine Office-Suite auf Democratic Market gelistet wird, verlangen wir, dass die Muttergesellschaft, die verantwortliche Stiftung oder das pflegende Konsortium ihren nachweisbaren Sitz in einem Land mit einem EIU-Wert über 6,0 hat, und zwar für jede relevante Komponente: wo der Code entwickelt wird, wo er standardmäßig gehostet wird und unter welcher Jurisdiktion die verantwortliche Einheit rechtlich steht. Das ist keine Prüfung der technischen Qualität, bei der Microsoft Office problemlos mithält, sondern eine Prüfung von Herkunft und rechtlicher Exponierung. LibreOffice, aus Deutschland von einer gemeinnützigen Stiftung gesteuert, und Collabora Online mit Sitz im Vereinigten Königreich bestehen diese Prüfung komfortabel. Microsoft erscheint aus Gründen der Datenjurisdiktion nicht in unseren aktiven Empfehlungen, nicht wegen eines Urteils über seine Ingenieursleistung. WPS Office scheitert bereits an der Indexschwelle.
Diese Methodik gilt identisch für jede Kategorie des Marktplatzes, von Elektronik bis Software. Wir prüfen die gesamte Kette, nicht nur das Land, in dem ein Unternehmen zufällig sein europäisches Kundenservicebüro betreibt. Eine deutsche oder irische Tochtergesellschaft eines US-Konzerns ändert nichts an der zugrunde liegenden Jurisdiktion und damit nichts an unserer Bewertung. Dieser Maßstab mag streng wirken, aber genau deshalb kann sich eine Käuferin darauf verlassen, dass jedes auf Democratic Market gelistete Produkt eine echte Prüfung durchlaufen hat und nicht nur ein Marketingversprechen über Privatsphäre oder Unternehmenswerte.
Praktischer Leitfaden: so wechseln Sie Schritt für Schritt zu einer demokratischen Office-Suite
Der erste Schritt ist eine ehrliche Bestandsaufnahme der tatsächlichen Nutzung. Beschränkt sich der Bedarf auf Textdokumente, Tabellen und Präsentationen ohne komplexe gleichzeitige Zusammenarbeit, deckt LibreOffice den gesamten Anwendungsfall kostenlos und ohne Telemetrie ab. Der zweite Schritt ist die Prüfung der Kompatibilität mit bestehenden Makros und Vorlagen aus Microsoft Office. In der großen Mehrheit privater und kleingewerblicher Fälle ist die Kompatibilität vollständig, dennoch lohnt es sich, die komplexesten Dokumente, etwa Kalkulationen mit Makros, Serienbriefe oder Formularvorlagen, vor einer vollständigen Migration zu testen.
Der dritte Schritt ist die Entscheidung, ob kollaborative Echtzeitbearbeitung wirklich benötigt wird. Falls ja, löst Collabora Online in Kombination mit Nextcloud bei einem deutschen Hoster wie Hetzner, IONOS oder einem Anbieter mit BSI-C5-Testat diesen Bedarf, ohne europäische Jurisdiktion zu verlassen. Der vierte Schritt besteht darin, grundsätzlich eine Sicherungskopie im ODF-Format anzulegen, auch wenn während der Übergangszeit parallel weiter andere Software genutzt wird. So entsteht ein Archiv, das unabhängig von einem einzelnen Hersteller lesbar bleibt.
Der fünfte Schritt, der am häufigsten übersprungen wird, ist die Überprüfung laufender Abonnementverträge, bevor sie sich automatisch verlängern. Wer ein Microsoft-365-Abo kündigt, ohne Dokumente zuvor in ein offenes Format zu exportieren und OneDrive-Inhalte lokal zu sichern, riskiert später Zugriffsprobleme. Für Unternehmen und Behörden empfiehlt es sich schließlich, von jedem Anbieter, gleich welchem, eine klare schriftliche Auskunft darüber zu verlangen, wo Daten verarbeitet werden und welchem Recht sie unterliegen, nicht nur eine Zeile auf einer Marketingseite. Diese Frage ist im Kern dieselbe, die sich Schleswig-Holstein vor Beginn seiner Migration gestellt hat. Planen Sie außerdem eine kurze Schulung ein: Die meisten Nutzer finden sich in LibreOffice innerhalb weniger Tage zurecht, wenn ihnen die wichtigsten Unterschiede in Menüführung und Formatvorlagen gezeigt werden.
Fazit: welche Office-Suite Democratic Market empfiehlt
Für Privatnutzer, Selbstständige und kleine europäische Unternehmen, die eine vollständige, kostenlose und telemetriefreie Office-Suite suchen, ist LibreOffice, entwickelt aus Deutschland mit 8,80 Punkten im EIU-Index, die direkte Empfehlung von Democratic Market. Es deckt das gesamte Spektrum alltäglicher Bürofunktionen ohne Abokosten und ohne Dokumentanalyse ab und speichert in einem offenen Format, das auch in Jahrzehnten lesbar bleibt. Für Organisationen, die Zusammenarbeit in Echtzeit innerhalb eines europäischen Rahmens brauchen, ergänzt Collabora Online aus dem Vereinigten Königreich (8,28) diese Ebene, idealerweise betrieben über Nextcloud bei einem deutschen Hoster.
Microsoft 365 bleibt bei einigen sehr spezifischen Unternehmensintegrationen überlegen, besteht aber unsere Prüfung von Herkunft und Datenjurisdiktion nicht und erscheint deshalb nicht unter unseren aktiven Empfehlungen. Von WPS Office, dessen Herstellerland China mit 2,11 Punkten weit unter unserer Schwelle liegt, raten wir ausdrücklich ab. Wer heute wechselt, muss nicht alles an einem Tag umstellen: Beginnen Sie mit neuen Dokumenten im ODF-Format, migrieren Sie Vorlagen schrittweise und kündigen Sie das Abonnement erst, wenn Ihr Archiv gesichert ist. Auch hier gilt: Jeder Euro und jedes gekündigte Abo ist eine Entscheidung darüber, unter welchem Recht Ihre Dokumente leben.

