Im Juni 2024 erhielten Millionen Creative-Cloud-Kunden beim Öffnen von Photoshop ein Pop-up, das sie zur Annahme geänderter Nutzungsbedingungen zwang. Darin behielt sich Adobe das Recht vor, auf Nutzerinhalte „mit automatisierten und manuellen Methoden“ zuzugreifen. Wer nicht zustimmte, konnte das Programm nicht mehr starten, obwohl er bereits für das laufende Jahr bezahlt hatte. Die Reaktion von Fotografinnen, Illustratoren und Designbüros war heftig: Ein Jahrzehnt lang hatten sie monatlich für die Bearbeitung ihrer eigenen Bilder gezahlt, und nun las sich das Kleingedruckte so, als dürfe der Anbieter diese Arbeit durchsehen. Adobe stellte später klar, man trainiere seine generative KI Firefly nicht mit Kundendateien und greife nur zur Missbrauchserkennung zu. Doch der Vorfall legte etwas Strukturelles offen: Wenn Bildbearbeitung als Abonnement mit Cloud-Anbindung funktioniert, entscheidet ein Unternehmen in Kalifornien darüber, unter welchen Bedingungen eine Berufsfotografin in Leipzig ihre eigenen Dateien öffnen darf.
Dieser Vorfall ist der Ausgangspunkt für unseren Vergleich zwischen Photoshop, dem Branchenstandard seit 1990, und Photopea, einem Editor, der vollständig im Browser läuft. Es ist kein Pixel-für-Pixel-Vergleich von Filtern und Pinseln. Es ist ein Vergleich darüber, wer die Kontrolle über Ihre Dateien hat, welcher Rechtsordnung das verarbeitende Unternehmen unterliegt und welches Geschäftsmodell hinter dem jeweiligen Werkzeug steht.
Warum der demokratische Ursprung bei Bildbearbeitungssoftware zählt
Solange Software lokal installiert ist und offline arbeitet, spielt das Herkunftsland des Herstellers eine geringe Rolle: Das Programm läuft auf Ihrem Rechner, die Dateien verlassen nie die Festplatte. Software als Dienst verändert diese Rechnung vollständig. Creative Cloud mit Synchronisierung, Lizenzprüfung über das Internet, KI-Funktionen, die Bildausschnitte an Server schicken: Plötzlich gibt es einen Dritten mit potenziellem Zugriff auf Ihre Arbeit, der den Gesetzen eines bestimmten Staates unterliegt und eigene Kooperationspflichten gegenüber Behörden hat. Für Pressefotografen mit Bildern von Demonstrationen, für Kanzleien, die gescannte Mandantenunterlagen retuschieren, oder für Agenturen unter Geheimhaltungsvereinbarungen ist das keine theoretische Frage.
Democratic Market bewertet Herkunftsländer mit dem Demokratieindex der Economist Intelligence Unit (EIU), der 167 Staaten nach Wahlprozess, Regierungsführung, politischer Teilhabe, politischer Kultur und bürgerlichen Freiheiten einordnet. In unseren Katalog gelangen nur Produkte aus Ländern über 6,0. Die USA kommen auf 7,85, Tschechien auf 7,97, Deutschland auf 8,80. Bei Photoshop gegen Photopea geht es also nicht um fragile Staaten, sondern um drei Faktoren, die bestimmen, wie viel Kontrolle Sie über Ihr kreatives Werk behalten: die Rechtsordnung des Anbieters, das Geschäftsmodell und die technische Architektur, also die Frage, wo das Bild während der Bearbeitung tatsächlich verarbeitet wird.
Adobe Photoshop im Test: Silicon-Valley-Maschine unter dem CLOUD Act
Adobe Inc. hat seinen Sitz in San José, Kalifornien, und ist seit 1986 an der Nasdaq notiert. Photoshop wird seit 2013 nicht mehr als Kauflizenz angeboten; damals stellte Adobe sein gesamtes Sortiment auf das Abonnementmodell Creative Cloud um. Seitdem setzt die Nutzung ein aktives Konto voraus, eine regelmäßige Verbindung zu Adobes Servern zur Lizenzprüfung und, sofern die Synchronisierung aktiviert ist, die Speicherung Ihrer Projekte in Adobes Infrastruktur. Das Fotografie-Abo mit Photoshop und Lightroom kostet in Deutschland je nach Speicherumfang rund 12 bis 24 Euro monatlich, das Einzelprodukt Photoshop rund 24 Euro bei jährlicher Bindung. Wer kündigt, verliert den Zugriff auf das Programm und damit in der Praxis auf die bearbeitbaren Fassungen der eigenen Projektdateien.
Als US-Unternehmen unterliegt Adobe dem CLOUD Act von 2018, der amerikanische Technologieunternehmen verpflichtet, auf richterliche Anordnung Daten herauszugeben, unabhängig davon, in welchem Land der Server steht. Hinzu kommt Section 702 des FISA-Gesetzes, die 2024 verlängert wurde und die Überwachung von Nicht-US-Bürgern ohne Einzelfallbeschluss erlaubt. Adobe ist unter dem EU-US Data Privacy Framework zertifiziert, das Datenübermittlungen derzeit legal macht; dessen Bestand hängt jedoch an politischen Zusagen der US-Regierung und wurde im September 2025 vom Gericht der EU in erster Instanz bestätigt, ist aber weiterhin Gegenstand von Kritik. Auch die Telemetrie verdient Aufmerksamkeit: Creative-Cloud-Anwendungen erfassen Nutzungsdaten, Bearbeitungsmuster und Metadaten geöffneter Dateien. Adobe bietet Einstellungen, um Teile davon einzuschränken, doch die Standardarchitektur ist auf umfangreiche Datenerhebung ausgelegt.
Photopea im Test: der Editor, der in Ihrem Browser lebt
Photopea wurde von Ivan Kutskir entwickelt, einem in Prag ansässigen Programmierer, und 2013 als Ein-Personen-Projekt gestartet, mit dem Ziel, professionelle Bildbearbeitung ohne Installation zu ermöglichen. Tschechien erreicht im EIU-Index 7,97, also einen höheren Wert als die USA, und ist als EU-Mitglied an die DSGVO gebunden. Für den Betreiber gilt damit unmittelbar europäisches Datenschutzrecht, kontrolliert von der tschechischen Datenschutzbehörde ÚOOÚ, und Nutzer in Deutschland können sich bei Beschwerden zusätzlich an ihre Landesdatenschutzbehörde wenden.
Der technisch entscheidende Unterschied: Photopea verarbeitet Bilder direkt im Browser über JavaScript, WebAssembly und Canvas, ohne die Datei zur Bearbeitung auf einen Server zu laden. Öffnen Sie ein Foto in Photopea, bleibt es während der gesamten Bearbeitung auf Ihrem Gerät; der Server liefert lediglich den Programmcode aus, Ihre Bilder empfängt er nie. Das lässt sich mit den Entwicklerwerkzeugen jedes Browsers überprüfen, indem man den Netzwerkverkehr beim Öffnen und Speichern einer Datei beobachtet. Photopea ist kostenlos und finanziert sich über dezente Werbung im Interface; ein Premium-Konto für rund fünf Dollar monatlich entfernt die Werbung und erweitert den Bearbeitungsverlauf. Ein Benutzerkonto ist nicht erforderlich: Man öffnet die Website und beginnt zu arbeiten, ohne auch nur eine E-Mail-Adresse anzugeben.
Meitu, FaceApp und undurchsichtige KI-Apps: Bildbearbeitung mit demokratischem Risiko
Neben den beiden Hauptkandidaten verdienen zwei Gruppen von Bildbearbeitungsprogrammen besondere Vorsicht. Die erste sind Apps aus Autokratien. Meitu aus Xiamen, mit Anwendungen wie BeautyCam und Wink in Asien millionenfach verbreitet, unterliegt dem chinesischen Recht; China kommt im EIU-Index auf 2,12, und das Nationale Nachrichtendienstgesetz von 2017 verpflichtet Unternehmen zur Zusammenarbeit mit den Diensten. Sicherheitsforscher kritisierten bereits 2017 die außergewöhnlich umfangreichen Berechtigungen der Meitu-App. FaceApp, 2017 von Wireless Lab in Sankt Petersburg entwickelt, löste 2019 eine Debatte aus, als bekannt wurde, dass hochgeladene Gesichtsfotos auf Servern verarbeitet wurden und die Nutzungsbedingungen weitreichende Rechte einräumten. Russland liegt im EIU-Index bei 2,22. Wer Porträtfotos, also biometrisch auswertbare Daten, an Anbieter in diesen Rechtsräumen schickt, verliert jede realistische Kontrolle darüber.
Die zweite Gruppe sind undurchsichtige KI-Editoren aus App-Stores und Browsererweiterungen, die „Hintergrund entfernen in einer Sekunde“ oder „KI-Porträt gratis“ versprechen. Viele nennen weder das verantwortliche Unternehmen noch den Serverstandort, und ihre Datenschutzerklärungen erlauben die Nutzung hochgeladener Bilder zum Training von Modellen. Für Privatpersonen ist das ein Risiko für die eigenen Fotos, für Unternehmen kann es ein Verstoß gegen Artikel 28 DSGVO sein, wenn Bilder von Kundinnen, Mitarbeitenden oder Dritten ohne Auftragsverarbeitungsvertrag hochgeladen werden. Democratic Market empfiehlt kein Bildbearbeitungswerkzeug, das seinen Unternehmenssitz und den Ort der Datenverarbeitung nicht offenlegt.
Wo Ihre Fotos tatsächlich verarbeitet werden
Die Frage, wo eine Datei während der Bearbeitung physisch liegt, trennt die beiden Werkzeuge grundlegend. Bei Photoshop mit Creative Cloud liegen synchronisierte PSD-Dateien in Adobes Rechenzentren, weltweit verteilt, aber unter US-Recht betrieben. Funktionen wie Generative Füllung oder Neural Filters schicken Bildausschnitte an Adobes Server, weil die KI-Modelle dort laufen. Wer ausschließlich lokal speichert und die KI-Funktionen meidet, reduziert diesen Datenfluss deutlich, die Lizenzprüfung und die Telemetrie bleiben jedoch bestehen. Bei Photopea verlässt die Datei Ihren Rechner während der Bearbeitung nicht, es sei denn, Sie exportieren sie bewusst zu einem Cloud-Dienst.
Für eine Fotojournalistin mit sensiblem Material, einen Anwalt, der eingescannte Dokumente mit Mandantendaten bearbeitet, oder schlicht für jemanden, der nicht von der Verfügbarkeit eines entfernten Servers abhängig sein möchte, wiegt dieser Architekturunterschied schwerer als jede Gegenüberstellung von Filtern. Ein Hinweis zur Fairness: Auch Photopea benötigt eine Internetverbindung, um die Anwendung zu laden, und die Werbung in der kostenlosen Version wird über Werbenetzwerke ausgeliefert, die Cookies setzen können. Wer auch das vermeiden möchte, nutzt die Premium-Version oder einen Werbeblocker.
Technischer Vergleich: Funktionen, Formate und Lernkurve
Photoshop bleibt die Referenz für fortgeschrittene Werkzeuge: nicht-destruktive Ebenenmasken, Smart Objects, präzise Farbverwaltung mit CMYK-Workflows für den Druck, Neural Filters und Generative Füllung auf Basis von Adobe Firefly, direkte Integration mit Lightroom, InDesign und Premiere sowie ein Plugin-Ökosystem, das am Markt seinesgleichen sucht. Die Lernkurve ist steil, aber Dokumentation, Kurse und Community sind gewaltig. Für Druckvorstufe, Hochglanzretusche und große Agentur-Workflows ist Photoshop nach wie vor das Werkzeug, auf das sich die gesamte Branche eingestellt hat.
Photopea bildet die Oberfläche von Photoshop bewusst nach: Menüs, Tastenkürzel und Panel-Anordnung sind nahezu identisch, um Umsteigern den Wechsel zu erleichtern. Es öffnet und speichert native PSD-Dateien mitsamt Ebenen, Masken, Ebenenstilen und Smart Objects, liest GIMP-XCF, Sketch, Adobe XD, RAW-Formate gängiger Kameras und exportiert alle üblichen Webformate. Es fehlen die fortgeschrittenen generativen KI-Funktionen von Adobe und eine vollwertige Farbverwaltung für anspruchsvolle Druckproduktion, und bei sehr großen Dateien mit Hunderten Ebenen stößt der Browser an Speichergrenzen. Für Retusche, Composing, Webgrafik, Social-Media-Material und einfache Layouts deckt Photopea den Bedarf jedoch solide ab.
Europäische Alternativen und das Preisgefüge im Überblick
Wer jenseits dieses Duells nach Optionen mit klarer demokratischer Herkunft sucht, findet mehrere. GIMP ist quelloffen, wird von einer internationalen Freiwilligengemeinschaft entwickelt und erschien 2025 nach jahrelanger Arbeit in Version 3.0 mit nicht-destruktiven Filtern. Krita, getragen von der Krita Foundation in den Niederlanden (8,88), ist der Standard für digitales Malen. Affinity Photo stammt von Serif aus Nottingham (Vereinigtes Königreich, 8,28) und gehört seit 2024 zum australischen Unternehmen Canva (Australien, 8,66), das die Affinity-Programme Ende 2025 in ein kostenloses Modell überführt hat. Pixelmator aus Vilnius (Litauen, 7,31) wurde 2024 von Apple übernommen. Darktable, ebenfalls quelloffen, ist eine ausgereifte Lightroom-Alternative für RAW-Entwicklung.
Beim Preis zeigt sich der Unterschied der Geschäftsmodelle am deutlichsten. Photoshop kostet über fünf Jahre im Einzel-Abo rund 1.450 Euro, ohne dass am Ende ein Nutzungsrecht bleibt. Photopea kostet im Gratismodell nichts und in der Premium-Variante über fünf Jahre rund 240 Dollar. GIMP, Krita und Darktable kosten nichts. Aus Sicht von Democratic Market ist dieser Unterschied kein Detail. Ein Dienst, der Ihre wiederkehrende Zahlung voraussetzt, damit Sie Ihre eigene kreative Arbeit weiter bearbeiten können, erzeugt eine strukturelle Abhängigkeit. Ein Werkzeug, das lokal arbeitet und keine Kündigung kennt, gibt diese Kontrolle an die Nutzerinnen zurück.
EU-Recht 2026: DSGVO, Digital Services Act und KI-Verordnung
Die europäische KI-Verordnung (AI Act) wird seit 2024 schrittweise eingeführt; ab August 2026 gelten die Transparenzpflichten nach Artikel 50 in vollem Umfang. Anbieter generativer KI-Systeme wie der Generativen Füllung in Photoshop müssen synthetisch erzeugte oder manipulierte Bildinhalte maschinenlesbar kennzeichnen, und wer Deepfakes veröffentlicht, muss diese offenlegen. Adobe setzt dafür auf die Content Credentials der Content Authenticity Initiative, die es selbst mitbegründet hat. Seit August 2025 gelten zudem Pflichten für Anbieter von KI-Modellen mit allgemeinem Verwendungszweck, darunter eine Zusammenfassung der Trainingsdaten und eine Strategie zur Einhaltung des Urheberrechts. Die Kontroverse von 2024 zeigt, wie groß die Spannung zwischen dem Datenhunger von KI-Modellen und dem geistigen Eigentum der Nutzer ist.
Die DSGVO gilt für alle personenbezogenen Daten, die beide Werkzeuge verarbeiten, unabhängig vom Sitz des Mutterkonzerns. Adobe bietet Unternehmenskunden Optionen zur Datenresidenz in der EU an, im Einzelabo ist das jedoch nicht Standard. Photopea minimiert das Risiko schon durch seine Architektur: Wo das Bild lokal verarbeitet wird, gibt es kaum personenbezogene Daten, die an einen Server übertragen werden könnten. Für Behörden und öffentliche Einrichtungen in Deutschland ist das zunehmend relevant, denn mehrere Landesdatenschutzbeauftragte haben in den letzten Jahren empfohlen, bei der Auswahl von Cloud-Software Anbieter mit Sitz und Verarbeitung in der EU zu bevorzugen. Das Urheberrecht spielt ebenfalls hinein: Paragraf 44b UrhG erlaubt Text- und Data-Mining, sofern Rechteinhaber nicht in maschinenlesbarer Form widersprochen haben, ein Vorbehalt, den viele Fotografen inzwischen in ihre Metadaten schreiben.
Wie Democratic Market Bildbearbeitungssoftware bewertet
Für diese Kategorie analysiert Democratic Market vier Faktoren. Erstens die Rechtsordnung der Muttergesellschaft und ihre Exposition gegenüber extraterritorialen Überwachungsgesetzen. Zweitens, ob die Verarbeitung von Inhalten lokal oder auf einem entfernten Server stattfindet. Drittens die Transparenz der Nutzungsbedingungen bezüglich der Verwendung von Nutzerinhalten zum Training von KI-Systemen. Viertens den Grad der Abhängigkeit, den das Geschäftsmodell erzeugt, also die Frage, ob ein Zahlungsausfall den Verlust des Zugriffs auf die eigene Arbeit bedeutet.
Gemessen an diesen Kriterien schneidet Photopea bei Datensouveränität und Unabhängigkeit klar besser ab und erhält in unserer Bewertung die höhere Stufe. Photoshop behält den Vorsprung bei technischer Leistungsfähigkeit und beim professionellen Ökosystem, wird aber wegen CLOUD-Act-Exposition, Cloud-Verarbeitung der KI-Funktionen und Abo-Abhängigkeit mit einer mittleren Stufe bewertet. GIMP, Krita und Darktable erreichen als lokal laufende freie Software die höchste Stufe. Meitu, FaceApp und nicht identifizierbare KI-Apps erscheinen nicht in unserem Katalog. Keine Bewertung ersetzt die Entscheidung der Nutzer; es geht darum, dass sie mit vollständigen Informationen getroffen wird.
Praxisleitfaden: Kauf und Umstieg Schritt für Schritt
Erstens: Klären Sie, welche Funktionen Sie tatsächlich nutzen. Exportieren Sie eine Liste der Werkzeuge, die Sie in den letzten drei Monaten verwendet haben, und prüfen Sie, ob Generative Füllung, CMYK-Druckvorstufe oder die Lightroom-Integration darunter sind. Zweitens: Öffnen Sie drei bis fünf Ihrer echten, komplexen PSD-Dateien in Photopea und kontrollieren Sie Ebenen, Masken und Stile. In den meisten Fällen öffnen sie sich ohne Verluste; wo nicht, wissen Sie, woran Sie sind. Drittens: Wenn Sie bei Photoshop bleiben, deaktivieren Sie in den Kontoeinstellungen die Inhaltsanalyse, speichern Sie sensible Projekte lokal statt in der Cloud und verzichten Sie bei vertraulichem Material auf die KI-Funktionen, die Bilddaten an Adobes Server senden.
Viertens: Prüfen Sie die Kündigungsbedingungen. Das Jahresabo mit monatlicher Zahlung ist bei vorzeitiger Kündigung mit einer Gebühr verbunden, die bis zur Hälfte der Restlaufzeit betragen kann; in den USA hat die FTC 2024 Klage gegen Adobe wegen versteckter Kündigungsgebühren erhoben. Planen Sie einen Wechsel deshalb zum Ende der Laufzeit. Fünftens: Ein vernünftiger Mittelweg ist, Photopea oder GIMP für den Großteil der täglichen Retusche zu nutzen und Photoshop nur für einzelne Projekte, die seine fortgeschrittenen KI-Werkzeuge erfordern, mit einem Monatsabo zu buchen. So sinkt die dauerhafte Abhängigkeit, ohne dass Sie auf Adobes exklusive Fähigkeiten verzichten, wenn sie wirklich gebraucht werden.
Praxisbeispiele: Wer sollte welches Werkzeug wählen?
Eine Hochzeitsfotografin, die bearbeitete Alben an Privatkunden liefert und weder KI-gestützte Hautretusche noch die Einbindung in einen Agentur-Workflow braucht, findet in Photopea oder in Darktable plus GIMP alles Nötige ohne laufende Kosten. Ein Designstudent, der Komposition und Layout üben will, ohne ein Monatsabo abzuschließen, bekommt mit Photopea einen echten Einstieg ins Handwerk, mit einer Oberfläche, die ihm später im Berufsleben vertraut vorkommen wird. Ein Entwickler, der eine Bildbearbeitung in seine eigene Webanwendung einbauen möchte, kann die Photopea-Engine über deren API einbetten, ohne einen Editor von Grund auf zu programmieren und ohne von Adobes kommerziellen SDK-Lizenzen abzuhängen.
Eine Werbeagentur, die Kampagnen mit KI-Bildgenerierung produziert, Druckdaten für Offsetdruckereien liefert und eng mit Premiere für Videoinhalte arbeitet, findet dagegen in Photoshop ein Werkzeugset, das Photopea noch nicht in derselben Tiefe abbildet. Für solche Studios ist die Abhängigkeit von Adobe ein akzeptierter Preis für echte Produktivität, vorausgesetzt, sie steuern aktiv, welche Daten in die Cloud synchronisiert werden und welche lokal bleiben. Bedenkenswert ist schließlich der Lebenszyklus der Projektdatei: Eine PSD, die heute in der Creative Cloud liegt, hängt davon ab, dass Adobe weiter existiert und denselben Zugang anbietet. Eine lokal gespeicherte PSD hängt nur davon ab, dass das Format lesbar bleibt, und das ist dank Photopea, GIMP und zahlreicher Open-Source-Bibliotheken weit wahrscheinlicher.
Fazit: Welchen Bildeditor wir 2026 empfehlen
Es gibt keine universelle Antwort, aber eine Frage, die man vor der Entscheidung stellen sollte: Wollen Sie, dass Ihr kreativer Arbeitsablauf von einem unbefristeten Abonnement bei einem US-Konzern mit potenziellem Zugriff auf Ihre Dateien abhängt, oder bevorzugen Sie ein Werkzeug, das Ihre Bilder auf dem eigenen Gerät verarbeitet, ohne Konto und ohne Kosten? Unsere konkrete Empfehlung: Privatnutzer, Vereine, Studierende und die meisten Selbstständigen in Fotografie und Webdesign sollten mit Photopea beginnen und es um Darktable für die RAW-Entwicklung ergänzen. Wer lieber eine installierte Anwendung nutzt, greift zu GIMP, Krita oder Affinity Photo. Agenturen und Druckvorstufen, die auf Adobes KI-Werkzeuge und Farbverwaltung angewiesen sind, bleiben bei Photoshop, sollten aber Cloud-Synchronisierung und Inhaltsanalyse bewusst konfigurieren und sensible Projekte lokal halten. Meiden Sie Bildbearbeitungs-Apps aus Ländern unter 6,0 im EIU-Index und jede App, die nicht sagt, wer sie betreibt und wo Ihre Fotos verarbeitet werden. Ihre Bilder sind Ihr Werk; wer sie bearbeitet, sollte selbst entscheiden können, wer sie zu sehen bekommt.

