Kaffee und Tee 2026: die Lieferkette hinter der Morgentasse
Zwei Länder bauen rund die Hälfte des weltweiten Kaffees an, und sie liegen auf entgegengesetzten Seiten der demokratischen Linie. Brasilien, mit etwa einem Drittel der Welternte der größte Produzent, kommt im Demokratieindex der Economist Intelligence Unit auf 6,49 und überschreitet die Schwelle von Democratic Market knapp. Vietnam, die Nummer zwei und die wichtigste Quelle für Robusta, kommt auf 2,62 und zählt zu den autoritären Regimen. Als die Arabica-Terminkontrakte in New York Anfang 2025 die Marke von vier Dollar pro Pfund durchbrachen, den höchsten jemals gemessenen Stand, haben Röstereien in ganz Europa ihre Supermarktmischungen still umgestellt, und oft war der günstigste Weg, einen Preispunkt zu halten, ein höherer Anteil vietnamesischer Robusta. Die Packung im Regal blieb meist gleich. Eine typische „Espresso-Mischung“ kann Bohnen aus Brasilien, Kolumbien, Vietnam, Uganda und Indonesien kombinieren, während das Etikett nur „Mischung verschiedener Herkünfte“ sagt oder gar nichts, denn das EU-Recht verlangt keine Angabe des Anbaulands. Beim Tee ist es ähnlich. China (2,12) ist der größte Teeproduzent der Welt, Kenia (5,05) der größte Exporteur von Schwarztee und Grundlage vieler britischer und ostfriesischer Frühstücksmischungen, und keines der beiden Länder steht auf den meisten Teebeutelschachteln. Die Morgentasse gehört zu den häufigsten Einkäufen eines europäischen Haushalts und zu den intransparentesten, was ihre politische Geografie angeht.
Diese Intransparenz ist von Gewicht, denn Kaffee ist in Deutschland das meistgetrunkene Getränk, noch vor Wasser und Bier. Der Deutsche Kaffeeverband beziffert den Pro-Kopf-Verbrauch auf rund 160 bis 170 Liter im Jahr, das entspricht deutlich über fünf Kilogramm Rohkaffee. Beim Tee ist Ostfriesland mit rund 300 Litern pro Kopf und Jahr sogar Weltspitze. Jedes dieser Kilogramm begann auf einer Farm in einem bestimmten Land mit einer bestimmten Regierung, und die Entscheidung, welche Länder in der Tasse landen, treffen fast ausschließlich Röster und Mischer, nicht diejenigen, die trinken.
Warum demokratische Herkunft bei Kaffee und Tee zählt
Kaffee und Tee sind Agrarprodukte, die überwiegend von Kleinbauern in den Tropen angebaut werden. Die Qualität der lokalen Institutionen prägt daher fast alles an ihrer Erzeugung. Weltweit bauen rund 12,5 Millionen Betriebe Kaffee an, die meisten auf weniger als fünf Hektar. Ob diese Bauern unabhängige Genossenschaften gründen, Preise verhandeln, Landraub vor Gericht anfechten oder Missstände einer freien Presse melden können, hängt vom politischen System ab, in dem sie leben. In Ländern mit niedrigen EIU-Werten sind Genossenschaften oft staatlich kontrolliert, unabhängige Gewerkschaften verboten und Journalisten, die über Plantagenbedingungen berichten, riskieren Strafverfolgung. In Äthiopien (3,24), der Heimat des Arabica und Herkunft der berühmten Yirgacheffe- und Sidamo-Kaffees, haben die Konflikte in Tigray und Amhara zwischen 2020 und 2024 Ernten gestört und waren von Internetsperren begleitet, die eine unabhängige Überprüfung der Lieferketten nahezu unmöglich machten. In Vietnam wird viel Kaffee im zentralen Hochland auf Land angebaut, um das es seit Langem Konflikte mit ethnischen Minderheiten gibt, und Organisationen, die diese Konflikte dokumentieren, arbeiten unter starken Einschränkungen.
Der Tee zeigt eine weitere Nuance: Demokratie ist notwendig, aber nicht hinreichend. 2023 dokumentierte eine Recherche der BBC sexuelle Ausbeutung von Arbeiterinnen auf kenianischen Teeplantagen, die große internationale Marken belieferten; Verträge wurden ausgesetzt und neue Audits eingeleitet. In Indien (7,18), einer Demokratie, gehörten die Löhne auf den Teeplantagen in Assam jahrzehntelang zu den niedrigsten im formellen Agrarsektor, und es brauchte anhaltenden Druck von Gewerkschaften, Gerichten und indischer Presse, um sie anzuheben. Der Unterschied liegt darin, dass diese Mechanismen in einer funktionierenden Demokratie existieren und genutzt werden können. Democratic Market behauptet nicht, dass jede Farm in einem demokratischen Land fair ist, sondern dass demokratische Institutionen die Bedingungen schaffen, unter denen Unrecht aufgedeckt und korrigiert werden kann. Hinzu kommt ein praktisches Argument der Rückverfolgbarkeit: Länder mit freien Medien und unabhängigen Statistikämtern liefern verlässlichere Daten über die Herkunft von Agrarprodukten, und genau das verlangen nun die neuen europäischen Entwaldungsregeln.
Beste demokratische Kaffeeherkünfte und Marken 2026
Unter den Erzeugerländern ist Costa Rica (7,88) die klarste demokratische Kaffeeherkunft. Das Land schaffte 1948 seine Armee ab, hat eine lange Tradition friedlicher Machtwechsel und baut Hochland-Arabica in Tarrazú, im West Valley und im Central Valley an; das nationale Kaffeeinstitut ICAFE regelt die Qualität und verbietet den Anbau von Robusta. Kolumbien (6,35) überschreitet die Schwelle und bietet einige der bekanntesten gewaschenen Arabicas der Welt aus Huila, Nariño, Antioquia, Cauca und der Sierra Nevada, gestützt von der Nationalen Föderation der Kaffeebauern, die mehr als eine halbe Million Familien vertritt. Brasilien (6,49) liegt knapp darüber und liefert alles von Massenware bis zu hervorragenden Naturals und Pulped Naturals aus Cerrado Mineiro, Sul de Minas und Chapada Diamantina. Panama (6,84) erzeugt kleine Mengen der berühmten Sorte Geisha in Boquete, und Jamaika (7,13) exportiert Blue Mountain, überwiegend nach Japan. Kona-Kaffee aus Hawaii bietet eine Herkunft aus den USA (7,85) zu einem hohen Preis. Indonesien (6,44) liegt inzwischen knapp über der Schwelle und liefert Sumatra Mandheling und Java, allerdings ist die Rückverfolgbarkeit unterhalb der Exporteursebene oft schwach.
Unter den Röstereien setzt die nordische Spezialitätenszene den Maßstab für Transparenz. The Coffee Collective in Kopenhagen (Dänemark: 9,28) veröffentlicht für jede Farm den gezahlten Preis, den FOB-Preis und den Aufschlag über dem Markt und kauft wiederholt bei denselben Erzeugern in Brasilien, Kolumbien und Mittelamerika. Tim Wendelboe in Oslo (Norwegen: 9,81) arbeitet direkt mit Farmen in Kolumbien und Brasilien und veröffentlicht für jeden Kaffee Informationen zur Farm. Beide kaufen auch in Kenia und Äthiopien ein, wer demokratisch kaufen will, wählt daher gezielt einzelne Lots statt des ganzen Sortiments. In Deutschland veröffentlichen The Barn und Coffee Circle in Berlin Herkunftsdetails, und bei den großen Marken bieten Dallmayr in München und Tchibo in Hamburg klar gekennzeichnete Single-Origin-Linien aus Kolumbien, Brasilien und Costa Rica. Im Kapselsegment verkauft Nespresso (Nestlé, Schweiz: 9,15) die Single-Origin-Reihe Master Origins, deren Referenzen aus Kolumbien und Brasilien die Schwelle bestehen, andere dagegen nicht, wie wir unten zeigen. Illy aus Triest (Italien: 7,67) verwendet eine Mischung aus neun Arabica-Herkünften, die das Unternehmen offenlegt, die aber nicht-demokratische Länder enthält, ein Beispiel dafür, dass Transparenz auch dann wertvoll ist, wenn das Ergebnis nicht vollständig besteht.
Tee aus demokratischer Herkunft: Japan, Taiwan, Indien und Sri Lanka
Beim Tee bietet Japan (8,40) die vollständigste demokratische Kette: Die Blätter werden im Land angebaut, gedämpft, gerollt und meist auch verpackt, mit regionalen Herkunftsbezeichnungen wie Uji in Kyoto, Shizuoka, Kagoshima oder Yame in Fukuoka. Ippodo Tea, 1717 in Kyoto gegründet, und Marukyu Koyamaen in Uji sind Referenzhäuser für Matcha, Gyokuro und Sencha. Der weltweite Matcha-Boom hat echte Knappheit erzeugt: 2025 rationierten mehrere Erzeuger in Kyoto den Verkauf von hochwertigem Matcha, weil die Nachfrage von Cafés in Europa, Nordamerika und Asien die begrenzte Produktion von Tencha überstieg, dem beschatteten Blatt, aus dem Matcha gemahlen wird. Diese Knappheit hat günstigere Pulver „nach Matcha-Art“ aus China begünstigt, die man mit Vorsicht betrachten sollte. Taiwan (8,99) erzeugt einige der besten Oolongs der Welt, darunter Hochlandtees aus Alishan und Lishan und den honigduftenden Oriental Beauty, mit kleinbäuerlicher Struktur und einer lebendigen demokratischen Zivilgesellschaft. Südkorea (8,09) baut Grüntee in Boseong und auf der Insel Jeju an, eine kleine, aber wachsende Präsenz in europäischen Teegeschäften.
Indien (7,18) ist der größte demokratische Teeproduzent. Darjeeling ist seit 2011 in der EU als geschützte geografische Angabe eingetragen, was europäischen Käufern eine rechtlich gesicherte Herkunft für First- und Second-Flush-Tees aus den 87 registrierten Gärten im Himalaya-Vorland gibt. Assam und Nilgiri liefern kräftige Schwarztees, die in vielen Frühstücksmischungen stecken, auch in der klassischen Ostfriesenmischung, die traditionell auf Assam basiert. Sri Lanka (6,51) überschreitet die Schwelle und bleibt mit Ceylon-Tees aus Nuwara Eliya, Dimbula und Uva eine der wichtigsten Schwarzteeherkünfte. In Deutschland sind Ronnefeldt in Frankfurt, TeeGschwendner in Meckenheim (Deutschland: 8,58) und die ostfriesischen Häuser Bünting und Thiele wichtige Anbieter, international ergänzt durch Mariage Frères in Paris (Frankreich: 7,99) und Fortnum & Mason in London (Vereinigtes Königreich: 8,28). TeeGschwendner verdient besondere Erwähnung, weil das Unternehmen die Ergebnisse seiner Laboranalysen auf Pestizidrückstände veröffentlicht. Alle diese Häuser verkaufen auch chinesische Tees, daher entscheidet das Etikett jeder einzelnen Sorte, nicht die Marke, über das demokratische Profil.
Kaffee und Tee mit demokratischem Risiko: Vietnam, Äthiopien, Kenia und chinesischer Tee
Vietnam (2,62) ist das größte demokratische Risiko beim Alltagskaffee, weil seine Robusta die Grundlage von Instantkaffee, günstigen Espressomischungen und vielen Kapselrezepturen bildet. Robusta hat Vorzüge wie Crema und Koffeingehalt, doch vietnamesische Lieferketten laufen über staatsnahe Exporteure und ein politisches System ohne unabhängige Gewerkschaften oder freie Presse. Äthiopien (3,24) stellt Spezialitätenliebhaber vor ein schwierigeres Dilemma, denn seine gewaschenen und natürlichen Kaffees aus Yirgacheffe, Guji und Sidamo gehören zu den aromatischsten der Welt, und viele Kleinbauern sind auf Exporterlöse angewiesen. Kenia (5,05) erzeugt helle, komplexe Kaffees der Sorten SL28 und SL34 und ist Weltmarktführer beim Export von Schwarztee, liegt aber als hybrides Regime unter der Schwelle. Uganda (4,49), ein großer Robusta-Exporteur, und Ruanda (3,30) vervollständigen das ostafrikanische Bild. Auch mehrere lateinamerikanische Herkünfte sind abgerutscht: Die jüngsten EIU-Ausgaben sehen Peru (5,69), Honduras (5,15), Mexiko (5,32) und Guatemala (4,55) unter 6,0, und Nicaragua (2,09) hat eine der repressivsten Regierungen des Kontinents. Das ist eine deutliche Veränderung gegenüber dem Bild von vor einigen Jahren und bedeutet, dass manche lange als ethisch vermarktete Kaffees, etwa peruanische Bio-Lots oder honduranische Fairtrade-Partien, einen strengen demokratischen Test nicht mehr bestehen.
Beim Tee liegt das Risiko anders. China (2,12) erzeugt rund die Hälfte des Welttees, darunter Longjing, Tieguanyin, Keemun und Pu-Erh, sowie einen großen Teil des Grüntees für aromatisierte Mischungen, Eistee und Supermarkt-Teebeutel. Das EU-Schnellwarnsystem für Lebens- und Futtermittel meldet regelmäßig Sendungen chinesischen Tees, die Höchstgehalte für Pestizidrückstände überschreiten, und unabhängige Audits chinesischer Teegärten sind begrenzt. Kenianischer Schwarztee, über die Auktion in Mombasa gehandelt, landet in vielen Massenmischungen, deren Packung nur „Schwarzer Tee“ angibt. Keine der beiden Herkünfte ist unsicher oder illegal, aber keine besteht die Schwelle von Democratic Market, und die Verbraucher können in der Regel nicht wissen, dass sie in ihrer Tasse sind, sofern die Marke es nicht angibt.
Vergleich: Preis, Geschmack und demokratisches Profil nebeneinander
Nebeneinandergestellt zeigen die Optionen, wo der demokratische Aufpreis wirklich liegt. Ein 250-Gramm-Beutel Single-Origin-Spezialitätenkaffee aus Kolumbien oder Costa Rica von einer europäischen Rösterei kostet typischerweise 12 bis 20 Euro, während ein 500-Gramm-Paket Supermarkt-Espresso 5 bis 9 Euro kostet, oft mit nicht offengelegtem Anteil vietnamesischer oder brasilianischer Robusta. Coffee Collective und Tim Wendelboe liegen mit rund 15 bis 22 Euro pro 250 Gramm im oberen Bereich, was sowohl die Qualität als auch die höheren veröffentlichten Erzeugerpreise widerspiegelt. Nespresso-Kapseln der Reihe Master Origins kosten etwa 0,55 bis 0,70 Euro pro Stück; die Referenzen Kolumbien und Brasilien bestehen unsere Schwelle, Nicaragua, Äthiopien und Peru nicht. Geschmacklich decken die demokratischen Herkünfte ein breites Spektrum ab: Schokolade und Nuss aus Brasilien, ausgewogenes Karamell und rote Früchte aus Kolumbien, helle Zitrus- und Honignoten aus dem costa-ricanischen Tarrazú. Was demokratisch Einkaufende aufgeben, ist vor allem das florale, teeartige Profil äthiopischer Kaffees und die Johannisbeer-Intensität kenianischer Lots, für die es kein genaues Pendant gibt.
Beim Tee kostet eine 100-Gramm-Dose First-Flush-Darjeeling aus einem benannten Garten 15 bis 40 Euro, eine 40-Gramm-Dose zeremonieller Uji-Matcha 20 bis 35 Euro und 50 Gramm taiwanischer Hochland-Oolong 15 bis 30 Euro. Eine Packung mit 100 Supermarkt-Schwarzteebeuteln, oft kenianischer Herkunft, kostet 2 bis 4 Euro. Der demokratische Aufpreis beim Tee ist absolut groß, pro Tasse aber bescheiden: Ein Gramm guter Darjeeling ergibt eine Tasse von 250 Millilitern, selbst bei 30 Euro pro 100 Gramm sind das etwa dreißig Cent. Beim Kaffee gilt dieselbe Logik. Eine Tasse Filterkaffee braucht rund 15 Gramm, der Wechsel von einer Mischung für 7 Euro pro 500 Gramm zu einem Single Origin für 16 Euro pro 250 Gramm hebt die Kosten pro Tasse von etwa zwanzig Cent auf knapp einen Euro. Für die meisten Haushalte ist die demokratische Wahl weniger eine Frage des Budgets als der Aufmerksamkeit.
EU-Recht 2026: Entwaldungsverordnung, Zwangsarbeit und Kennzeichnung
Die wichtigste regulatorische Änderung für Kaffee in Europa ist die EU-Entwaldungsverordnung, Verordnung (EU) 2023/1115. Nach zwei Verschiebungen soll sie ab dem 30. Dezember 2026 für große und mittlere Unternehmen und ab dem 30. Juni 2027 für Kleinst- und Kleinunternehmen gelten. Kaffee ist einer der sieben erfassten Rohstoffe, neben Kakao, Palmöl, Soja, Rindern, Kautschuk und Holz. Importeure müssen Geokoordinaten für jede Parzelle liefern, auf der der Kaffee gewachsen ist, und nachweisen, dass dort nach dem 31. Dezember 2020 nicht entwaldet wurde. Für die Rückverfolgbarkeit ist das eine stille Revolution: Zum ersten Mal müssen Röstereien, die in Europa verkaufen, genau wissen, welche Farmen ihre Bohnen geliefert haben, eine Information, die bisher oft auf Ebene des Exporteurs oder der Genossenschaft verloren ging. In Deutschland ist die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung die zuständige Behörde. Die 2025 veröffentlichte Länderklassifizierung der Kommission stuft die meisten Kaffeeländer als Standardrisiko ein, was die Pflicht zur Erhebung der Geodaten nicht mindert. Tee fällt nicht unter die Verordnung.
Zwei weitere Instrumente prägen die Kategorie. Die Zwangsarbeitsverordnung, Verordnung (EU) 2024/3015, gilt ab Dezember 2027 und erlaubt es, mit Zwangsarbeit hergestellte Produkte vom EU-Markt zu nehmen. Die Richtlinie über Sorgfaltspflichten im Bereich der Nachhaltigkeit wurde durch das Omnibus-Paket von 2025 abgeschwächt, verpflichtet aber weiterhin die größten Unternehmen zur Analyse von Menschenrechtsrisiken; in Deutschland gilt zudem das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz für große Röster und Händler. Bei der Kennzeichnung gibt es weiterhin keine EU-Pflicht zur Angabe des Ursprungslands von Kaffee oder Tee, die Offenlegung bleibt freiwillig und ist das nützlichste Signal, auf das man achten kann. Eine deutsche Besonderheit ist die Kaffeesteuer von 2,19 Euro pro Kilogramm Röstkaffee, die zwar nichts über die Herkunft aussagt, aber erklärt, warum Kaffee hierzulande teurer ist als in vielen Nachbarländern. Darjeelings geschützte geografische Angabe ist die wichtigste Ausnahme mit rechtlich durchsetzbarer Herkunftsangabe. Keines dieser Gesetze verwendet Demokratie als Kriterium, doch die erzeugten Daten, vor allem die parzellengenauen Geodaten der Entwaldungsverordnung, werden die demokratische Bewertung von Kaffee ab 2027 erheblich erleichtern.
Wie Democratic Market Kaffee und Tee bewertet
Democratic Market wendet auf Kaffee und Tee vier Prüfungen an. Die erste und wichtigste ist das Anbauland, das im EIU-Index mindestens 6,0 erreichen muss. Das Röst- oder Verpackungsland spielt eine geringere Rolle, weil es in dieser Kategorie fast immer in Europa, Nordamerika oder Japan liegt, wir erfassen es aber trotzdem. Die zweite Prüfung betrifft die Transparenz von Mischungen: Für die volle Bewertung muss jede angegebene Herkunft die Schwelle überschreiten, und Mischungen ohne Herkunftsangabe listen wir nicht. Eine Mischung aus 80 Prozent Brasilien und 20 Prozent Vietnam erscheint nur mit Teilbewertung und klarem Hinweis. Die dritte Prüfung betrifft die Rückverfolgbarkeit unterhalb der Länderebene: Kaffees, die bis zu einer benannten Genossenschaft, Waschstation oder Farm zurückverfolgt werden, und Tees aus einem benannten Garten oder einer Präfektur erhalten höhere Werte, weil sich Aussagen nur so überprüfen lassen. Ab 2027 werden wir Marken fragen, ob sie die Geodaten der Entwaldungsverordnung auf Anfrage teilen können.
Die vierte Prüfung ist die Zertifizierung, die wir als Ergänzung und nicht als Ersatz behandeln. Fairtrade, die 2018 mit UTZ fusionierte Rainforest Alliance und das EU-Bio-Siegel können Arbeitsbedingungen, Umweltstandards und Preise verbessern, auch in nicht-demokratischen Ländern wie Äthiopien oder Kenia. Sie ändern jedoch nicht das politische System, in dem die Bauern arbeiten, und können den Schutz durch unabhängige Gerichte und freie Presse nicht ersetzen. Ein Fairtrade-Kaffee aus Honduras schneidet daher besser ab als ein unzertifizierter aus demselben Land, erreicht aber dennoch nicht die volle demokratische Bewertung. Herkünfte, deren EIU-Wert in jüngeren Ausgaben unter 6,0 gefallen ist, kennzeichnen wir gesondert, und wir überprüfen unsere Einträge jedes Jahr mit Erscheinen des neuen Index.
Praktischer Einkaufsratgeber: demokratischen Kaffee und Tee auswählen
Lesen Sie erstens die Herkunft. Nennt die Packung kein Land, gehen Sie von einer Mischung aus, die nicht-demokratische Herkünfte enthalten kann, und greifen Sie zur nächsten. Bevorzugen Sie Single-Origin-Kaffees aus Costa Rica, Kolumbien oder Brasilien und beim Tee Einzelherkünfte aus Japan, Taiwan, Darjeeling, Assam oder Ceylon. Suchen Sie zweitens nach Region und Erzeuger: „Kolumbien Huila, Finca El Paraíso“ sagt viel mehr als „Kolumbien“, und ein benannter Teegarten oder eine japanische Präfektur bieten dieselbe Sicherheit. Prüfen Sie drittens Mischungen genau: Eine gute Rösterei nennt jede Komponente und ihren Anteil, und stammt eine davon aus Vietnam, Äthiopien, Kenia, Peru, Honduras oder Nicaragua, besteht die Mischung unsere Schwelle nicht vollständig. Wählen Sie viertens bei Kapseln Einzelherkünfte und meiden Sie „Intenso“- oder „Ristretto“-Mischungen, die ihre Robusta-Quellen selten offenlegen.
Meiden Sie fünftens beim Tee Packungen, die nur „Schwarzer Tee“ oder „Grüner Tee“ ohne Herkunft angeben, und seien Sie bei günstigem Matcha ohne japanische Herkunft und Präfektur vorsichtig. Bei Ostfriesenmischungen lohnt der Blick auf den Assam-Anteil und die Frage, ob kenianische oder ruandische Tees beigemischt sind. Nutzen Sie sechstens Zertifizierungen als Entscheidungshilfe bei Gleichstand, nicht als Ausgangspunkt: Zwischen zwei kolumbianischen Kaffees bevorzugen Sie den Fairtrade- oder Bio-Kaffee, lassen Sie sich aber von einem Fairtrade-Logo nicht davon überzeugen, dass ein äthiopischer oder nicaraguanischer Kaffee demokratischer Herkunft ist. Kaufen Sie siebtens möglichst ganze Bohnen und losen Tee; beides hält sich besser, ist leichter zurückzuverfolgen und seltener aus verschiedenen Herkünften gemischt. Ziehen Sie schließlich Direct-Trade-Röstereien in Betracht, die ihre Einkaufspreise veröffentlichen, denn Transparenz beim Geld ist meist ein guter Indikator für Transparenz bei allem anderen.
Fazit: der demokratische Kaffee- und Teeschrank für 2026
Ein demokratischer Vorratsschrank ist 2026 leicht zusammenzustellen und erfordert keinen Verzicht auf Qualität. Für den Alltagskaffee wählen Sie einen Single Origin aus Brasilien oder Kolumbien von einer Rösterei, die die Region nennt, oder einen Tarrazú aus Costa Rica für eine hellere Tasse. Für besondere Anlässe bieten ein Geisha aus Panama oder ein Blue Mountain aus Jamaika demokratische Herkunft an der Spitze der Qualitätsskala. Unsere konkreten Empfehlungen: The Coffee Collective oder Tim Wendelboe für transparente nordische Röstung kolumbianischer und brasilianischer Lots, The Barn, Dallmayr oder Tchibo für Single Origins im deutschen Handel und die Master-Origins-Referenzen Kolumbien oder Brasilien für Nespresso-Maschinen. Beim Tee Ippodo oder Marukyu Koyamaen für japanischen Matcha und Sencha, ein First-Flush-Darjeeling mit geschützter geografischer Angabe von Ronnefeldt, TeeGschwendner oder Mariage Frères, ein taiwanischer Hochland-Oolong für Abwechslung und ein Ceylon aus Nuwara Eliya oder ein reiner Assam als täglicher Schwarztee.
Was zu meiden ist, ist ebenso klar: unbeschriftete Mischungen, billige Kapseln mit nicht offengelegter Robusta, Teebeutel mit der bloßen Angabe „Schwarzer Tee“ und Matcha ohne japanische Präfektur. Der demokratische Aufpreis beträgt wenige Cent pro Tasse. Die Kaffee- und Teebranche steht vor einer Revolution der Rückverfolgbarkeit, angestoßen durch die europäischen Entwaldungsregeln, und wer jetzt anfängt, nach der Herkunft zu fragen, wird als Erstes von den Daten profitieren, die diese Regeln hervorbringen. Democratic Market aktualisiert diesen Ratgeber, sobald der EIU-Index 2026 erscheint und die Geodaten der Entwaldungsverordnung verfügbar werden.
