Powerbank 2026: eine Million zurückgerufene Akkus und die Frage nach ihrer Herkunft
Im Juni 2025 rief Anker, die meistverkaufte Powerbank-Marke auf Amazon in Europa und den USA, mehr als eine Million Exemplare seines Modells PowerCore 10000 wegen Überhitzungs- und Brandgefahr zurück. Die Ursache lag weder im Design noch in der Montage, sondern ein Glied tiefer: Ein Lieferant von Lithiumzellen in der chinesischen Provinz Jiangsu hatte Materialien geändert, ohne dies mitzuteilen. In denselben Wochen kündigte die chinesische Marke Romoss einen Rückruf von fast einer halben Million Geräten an, und die chinesische Zivilluftfahrtbehörde verbot Powerbanks ohne 3C-Zertifizierung auf Inlandsflügen. Die Episode zeigt etwas, das den meisten Verbraucherinnen und Verbrauchern nicht bewusst ist: Die überwältigende Mehrheit der in Europa verkauften tragbaren Akkus wird in China montiert, das im Demokratieindex der Economist Intelligence Unit 1,94 Punkte erreicht, und fast alle enthalten Zellen von Lieferanten, deren Name nie im Produktdatenblatt auftaucht. Democratic Market wendet diesen Index auf jedes Glied der Kette an, um eine scheinbar einfache Frage zu beantworten: Gibt es 2026 eine Powerbank demokratischen Ursprungs?
Warum die demokratische Herkunft bei einem tragbaren Akku zählt
Eine Powerbank wirkt wie ein banales Produkt, bündelt aber drei Risiken, die unmittelbar davon abhängen, wo und nach welchen Regeln sie hergestellt wird. Das erste ist die Sicherheit: Eine fehlerhafte Lithiumzelle kann thermisch durchgehen und mit mehr als 600 Grad brennen, und die Zellqualität hängt von Prozesskontrollen ab, die von außen unsichtbar sind. In Ländern mit freier Presse, unabhängigen Gerichten und Verbraucherbehörden, die ihre Untersuchungen veröffentlichen, kommt ein systemischer Lieferantenfehler früher oder später ans Licht; in einem autoritären Regime fließen Informationen dann, wenn der Staat es entscheidet. Das zweite Risiko ist menschlicher und ökologischer Natur: Lithium, Kobalt und Graphit der Zellen durchlaufen Raffinerien, die in China konzentriert sind. Laut Internationaler Energieagentur verarbeitet China rund 65 Prozent des weltweiten Lithiums und mehr als 90 Prozent des Batteriegraphits, unter Arbeits- und Umweltstandards, die sich nicht unabhängig prüfen lassen.
Das dritte Risiko ist strategisch. Eine Powerbank ist Reserveenergie: Wir nehmen sie auf Reisen mit, nutzen sie im Notfall und bei Stromausfällen wie jenem, der am 28. April 2025 die gesamte Iberische Halbinsel lahmlegte. Für ein Produkt der häuslichen Krisenvorsorge fast vollständig von einem einzigen, von einer Einheitspartei regierten Land abzuhängen, ist eine Verwundbarkeit, die auch die Europäische Kommission in ihrem Gesetz über kritische Rohstoffe anerkennt. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt Haushalten ausdrücklich, für Stromausfälle vorzusorgen, und Powerbanks gehören heute fest zu dieser Vorsorge. In dieser Kategorie ist die demokratische Herkunft daher keine ethische Nuance, sondern eine Frage von Sicherheit, Transparenz und Autonomie.
Die besten demokratischen Optionen: Zellen aus Korea, Japan und Taiwan
Der Schlüssel zum Verständnis dieser Kategorie liegt darin, drei Ebenen zu trennen: Zelle, Steuerchip und Montage. Auf der Zellebene gibt es hochwertige Hersteller in gefestigten Demokratien. Samsung SDI produziert zylindrische Zellen in Cheonan, Südkorea (8,09), und in Seremban, Malaysia (7,30). LG Energy Solution fertigt in Ochang, Südkorea. Panasonic Energy produziert weiterhin in Japan (8,17), und Murata, das 2017 das Batteriegeschäft von Sony übernahm, stellt Zellen in der Region Tohoku her. Molicel, Teil der taiwanischen Taiwan-Cement-Gruppe, fertigt Hochleistungszellen in Kaohsiung, Taiwan (8,08), und in Maple Ridge, Kanada (8,87). Gibt eine Powerbank Zellen eines dieser Hersteller an, und zwar nicht aus deren chinesischen Werken, überschreitet ihr kritischstes Glied die Schwelle von Democratic Market deutlich.
Auf der Elektronikebene hat der Chip, der Laden, Entladen, Temperatur und Kurzschlussschutz steuert, das sogenannte BMS, eine noch günstigere Geografie. Texas Instruments fertigt in seinen Werken in Richardson und Sherman in Texas, USA (7,85); Infineon hat sein großes europäisches Zentrum in Dresden (Deutschland 8,80); NXP ist niederländisch (8,88); Renesas ist japanisch; Richtek, eine Tochter von MediaTek, ist taiwanisch. Die billigsten Powerbanks verwenden dagegen meist Controller chinesischer Hersteller wie Injoinic oder Southchip, integriert in einen einzigen kostengünstigen Chip.
Unter den Marken ist Goal Zero mit Sitz in Bluffdale, Utah, USA, mit den Serien Sherpa und Yeti die Referenz für mobile Energie mit hoher Kapazität, mit amerikanischem Design und einer technischen Dokumentation, die über dem Branchendurchschnitt liegt, auch wenn die Fertigung überwiegend asiatisch bleibt und das Unternehmen seine Werke nicht veröffentlicht. Zens, eine niederländische Marke für kabelloses Laden, und Varta, der traditionsreiche Hersteller aus Ellwangen, bieten europäisches Design, europäische Garantie und rechtliche Verantwortlichkeit in der EU bei Montage in Asien. Keine dieser Marken besteht heute alle Glieder, doch alle drei bieten ein Maß an Rechenschaft, das eine Marke ohne europäische Präsenz nicht leisten kann.
Europa hat versucht, diese Lücke mit eigener Zellfertigung zu schließen, und das Ergebnis ist ernüchternd. Northvolt, Schwedens (9,39) Vorzeigeprojekt für die europäische Batterie, sammelte mehr als 13 Milliarden Dollar an Eigen- und Fremdkapital ein, meldete aber im März 2025 Konkurs an, nachdem es die Produktion in Skellefteå nicht in der nötigen Qualität und zu den nötigen Kosten hochfahren konnte. Auch Varta, das in Deutschland weiterhin Knopfzellen und leistungsstarke wiederaufladbare Mikrobatterien herstellt, durchlief 2024 eine Restrukturierung nach dem StaRUG, an deren Ende Porsche als Anteilseigner einstieg. Die Lehre für Verbraucher: Europäische Zellkapazität existiert, ist aber knapp, teuer und vor allem der Autoindustrie und industriellen Nischen vorbehalten. Solange sich das nicht ändert, führt der realistische Weg zu einer demokratischeren Powerbank über asiatische Zellen aus gefestigten Demokratien und nicht über ein „Made in Europe“, das heute kaum ein Produkt rechtfertigen kann.
Marken mit demokratischem Risiko: Anker, Xiaomi und der No-Name-Markt
Anker Innovations wurde 2011 in Shenzhen gegründet und ist an der dortigen Börse notiert. Die Technik ist stark, das Preis-Leistungs-Verhältnis schwer zu schlagen: Eine Anker Prime mit 26.250 mAh und 300 W kostet rund 150 Euro, eine Anker mit 10.000 mAh weniger als 25 Euro. Doch Design, Zellen, Montage und die Datenverarbeitung der App-fähigen Modelle hängen an China, und der Rückruf von 2025 zeigte, dass selbst die professionellste Marke der Branche Zelllieferanten ausgeliefert sein kann, die Spezifikationen ohne Vorwarnung ändern. Xiaomi, Baseus und Ugreen folgen demselben Muster zu noch niedrigeren Preisen.
Subtiler ist der Fall westlicher Marken mit chinesischer Fabrik. Mophie, eine kalifornische Marke der Zagg-Gruppe, entwickelt in den USA und montiert in China mit chinesischen Zellen. Belkin, ebenfalls aus Kalifornien, gehört seit 2018 zur taiwanischen Foxconn-Gruppe, also einem demokratischen Eigentümer, produziert seine Powerbanks aber überwiegend in China und Vietnam (2,83). Unter all diesen Marken liegt der markenlose Markt der großen Online-Marktplätze, wo aufgeblähte Kapazitätsangaben, recycelte Zellen und nicht existierende Zertifizierungen verbreitet sind. In diesem Segment fallen demokratisches Risiko und Sicherheitsrisiko zusammen.
Vernetzte Modelle bringen ein weiteres Risiko mit sich. Manche Powerbanks und tragbare Powerstations chinesischer Marken werden über eine App gesteuert, die ungefähren Standort, Ladegewohnheiten und Nutzungszeiten erfasst, und diese Daten unterliegen potenziell dem chinesischen Gesetz über den nationalen Nachrichtendienst von 2017. Für den Hausgebrauch ist der Wert solcher Daten begrenzt, in sensiblen beruflichen Kontexten ist ein Modell ohne App oder mit Servern in der EU aber eine vernünftige Vorsichtsmaßnahme.
Technischer Vergleich: Kapazität, Preis und demokratisches Profil nebeneinander
Für einen seriösen Vergleich sollte man in Wattstunden messen, nicht in Milliamperestunden, denn mAh-Angaben hängen von der Referenzspannung ab. Eine Powerbank mit 10.000 mAh bei 3,7 V speichert rund 37 Wh, von denen nach Wandlungsverlusten zwischen 23 und 27 Wh im Smartphone ankommen. Nach diesem Maßstab liefert eine Anker mit 10.000 mAh die günstigste Energie am Markt, unter einem Euro pro Wattstunde, mit niedrigem demokratischem Profil in allen physischen Gliedern. Eine Varta oder Zens ähnlicher Kapazität kostet zwischen 25 und 50 Euro, mit europäischer Verantwortlichkeit, EU-Garantie und asiatischer Montage: ein mittleres Profil.
Bei hoher Kapazität kostet eine Goal Zero Sherpa 100AC mit rund 95 Wh, Wechselstromausgang und 100-W-Laden über USB-C zwischen 250 und 300 Euro, etwa das Dreifache eines chinesischen Gegenstücks, dafür mit amerikanischem Design, besserer Dokumentation und längerem Support. Powerstations mit mehr als 500 Wh, dominiert von EcoFlow, Bluetti und Jackery, allesamt chinesischer Herkunft, liegen außerhalb dieser Analyse, folgen aber demselben Muster. Das technische Fazit ist eindeutig: Der Aufpreis der Optionen mit besserem demokratischem Profil liegt zwischen 50 und 200 Prozent und lohnt sich vor allem, wenn man Rückverfolgbarkeit der Zellen und Lebensdauer wertschätzt.
Ein Blick auf die Zyklenfestigkeit verschiebt die Rechnung zusätzlich. Hochwertige Zellen koreanischer, japanischer oder taiwanischer Hersteller sind in ihren Datenblättern meist für 500 bis 800 volle Ladezyklen bei mindestens 80 Prozent Restkapazität spezifiziert. Bei No-Name-Geräten fehlen solche Angaben oft ganz, und unabhängige Tests der Stiftung Warentest haben wiederholt gezeigt, dass günstige Powerbanks ihre angegebene Kapazität nicht erreichen. Wer die Kosten pro tatsächlich genutzter Wattstunde über die gesamte Lebensdauer berechnet, stellt fest, dass der Abstand zwischen einer gut dokumentierten Marke und einem Billigmodell deutlich kleiner ist, als der Kaufpreis vermuten lässt.
EU-Gesetzgebung 2026 für Powerbanks
Die Verordnung (EU) 2023/1542 über Batterien verändert diese Kategorie grundlegend. Eine Powerbank ist selbst eine Gerätebatterie, sie muss daher ab dem 18. August 2026 ein Etikett mit Angaben zu Kapazität, Chemie und Lebensdauer tragen und ab Februar 2027 einen QR-Code mit weiteren Informationen. Die erweiterte Herstellerverantwortung, anwendbar seit August 2025, verpflichtet alle, die Batterien in der EU in Verkehr bringen, die Sammlung zu finanzieren, mit Zielen von 63 Prozent bis Ende 2027 und 73 Prozent bis 2030. In Deutschland setzt das Batterierecht-Durchführungsgesetz diese Vorgaben um, und die Stiftung EAR führt das Herstellerregister. Die auf August 2027 verschobenen Sorgfaltspflichten für Lithium, Kobalt, Nickel und Graphit werden große Hersteller verpflichten, Menschenrechtsrisiken in ihrer Lieferkette zu ermitteln.
Die Verordnung über die allgemeine Produktsicherheit, (EU) 2023/988, anwendbar seit Dezember 2024, verpflichtet zudem Online-Marktplätze sicherzustellen, dass jedes Produkt einen verantwortlichen Wirtschaftsakteur in der EU hat, und bei Rückrufen mitzuwirken. Außerhalb des Verbraucherrechts zählen auch die Luftfahrtregeln: Powerbanks bis 100 Wh dürfen nur in der Kabine reisen, solche zwischen 100 und 160 Wh brauchen eine Genehmigung der Airline, und seit 2025 verbieten mehrere Fluggesellschaften, darunter Emirates, ihre Nutzung oder das Aufladen während des Flugs.
Wie Democratic Market eine Powerbank bewertet
Democratic Market wendet den EIU-Demokratieindex auf vier Dimensionen jeder Powerbank an: Land von Design und rechtlicher Verantwortung, Herstellungsland der Zellen, Herstellungsland des BMS-Chips und Land der Endmontage. Die Schwelle liegt bei 6,0 Punkten, und die Zelle ist das entscheidende Glied: Sie bündelt den größten Teil der Wertschöpfung, des Sicherheitsrisikos und der Abhängigkeit von kritischen Mineralien. Ein Produkt mit Zellen aus einem chinesischen Werk wird gesperrt, auch wenn Design und Chip westlich sind.
Legt der Hersteller die Herkunft seiner Zellen nicht offen, behandelt Democratic Market dieses Glied als intransparent und wertet es nicht zugunsten des Produkts. Das erklärt, warum 2026 nur sehr wenige Massenmarkt-Powerbanks als verifiziert gelistet werden können: Die meisten Marken verraten nicht, wer ihre Zellen fertigt. Produkte, die Zellen von Samsung SDI, LG Energy Solution, Panasonic, Murata oder Molicel aus koreanischen, japanischen oder taiwanischen Werken sowie Controller von Texas Instruments, Infineon oder NXP angeben, sind die Kandidaten mit dem besten Profil. Das fast vollständige Fehlen von Montage in Demokratien bleibt die große Lücke der Kategorie.
Kaufberatung Schritt für Schritt für eine demokratischere Powerbank
Erstens: Ermitteln Sie die Kapazität, die Sie wirklich brauchen. Für einen Tag unterwegs reichen 10.000 mAh, also rund 37 Wh, um ein Smartphone zweimal zu laden; mehr Kapazität als nötig bedeutet mehr Gewicht, Kosten und Lithium ohne Nutzen. Zweitens: Suchen Sie im Datenblatt nach der Herkunft der Zellen oder fragen Sie den Hersteller. Weiß die Marke es nicht oder will sie es nicht sagen, ist auch das eine relevante Information. Drittens: Prüfen Sie die Zertifizierungen. Das CE-Kennzeichen ist Pflicht, aussagekräftiger sind die Batteriesicherheitsnorm IEC 62133-2 und der Transporttest UN 38.3; ein GS-Zeichen eines deutschen Prüfinstituts ist ein zusätzlicher Pluspunkt.
Viertens: Kaufen Sie bei einem Verkäufer mit Verantwortung in der EU und nicht bei einem anonymen Marktplatzhändler, damit Sie die zweijährige gesetzliche Gewährleistung tatsächlich durchsetzen können; die Verbraucherzentralen helfen bei Streitfällen. Fünftens: Bevorzugen Sie Modelle ohne App oder mit europäischen Servern. Sechstens: Pflegen Sie den Akku. Lassen Sie ihn nicht wochenlang auf 100 Prozent, schützen Sie ihn vor Hitze und geben Sie ihn am Ende seiner Lebensdauer an einer Sammelstelle im Handel oder beim Wertstoffhof ab. Eine gute Powerbank kann bei richtiger Behandlung fünf Jahre halten; eine billige, die jedes Jahr ersetzt wird, vervielfacht Abfall und Abhängigkeit.
Fazit: die demokratischste Powerbank, die Sie 2026 kaufen können
Die ehrliche Antwort auf die Frage im Titel lautet: 2026 gibt es keine Massenmarkt-Powerbank, deren Glieder alle in Demokratien liegen. Es gibt aber Abstufungen, und sie sind messbar. Für hohe Kapazität und den Einsatz im Freien ist die Goal Zero Sherpa die stimmigste Option in Bezug auf Design, Dokumentation und rechtliche Verantwortlichkeit außerhalb Chinas. Für den Alltag bieten Varta und Zens europäisches Design, europäische Garantie und vernünftige Preise, und es lohnt sich, Modelle zu bevorzugen, die Zellen aus Korea (8,09), Japan (8,17) oder Taiwan (8,08) und Controller von Texas Instruments oder Infineon angeben.
Wenn der Preis Ihr einziges Kriterium ist, bleibt Anker konkurrenzfähig, doch die Kette ist vollständig chinesisch (1,94). Und wenn Sie bereits eine gut funktionierende Powerbank besitzen, ist die demokratischste und nachhaltigste Entscheidung, sie weiter zu nutzen. Democratic Market wird die Hersteller weiterhin auffordern, die Herkunft ihrer Zellen offenzulegen, denn diese Transparenz ist der erste Schritt, damit Verbraucher mit Urteilsvermögen wählen können.

