🛡️Democratic Market — We're building the ethical commerce marketplace · join the first selected brands
🛡️ Próximamente
Join the waitlist →
✦ ✦ ✦AI-verified democratic origin·Only products with all components from democratic countries
EUR · €EIU Democracy Index 2025
🌍 Deutsch
Vergleich · 6 min

Slack vs Mattermost: Business-Chat-Plattformen mit völlig anderen Chat-Privatsphäre

Equipo editorial·12. Juli 2026

Slack begann als Nebenprodukt eines gescheiterten Videospiels, Mattermost als Notlösung eines Entwicklerteams, das mit seinem bisherigen Firmenchat unzufrieden war. Keines der beiden Werkzeuge wurde mit dem Gedanken an Datensouveränität entworfen, und doch stehen sie heute für zwei gegensätzliche Antworten auf eine Frage, die in deutschen Vorstandsetagen immer häufiger gestellt wird: Wem gehört eigentlich das, was ein Unternehmen intern bespricht? Auf der einen Seite steht ein verwalteter Dienst, der seit 2021 zum Salesforce-Konzern gehört und dessen Muttergesellschaft vollständig dem US-Recht unterliegt. Auf der anderen Seite steht freie Software, die jede Organisation auf einem Server ihrer Wahl betreiben kann, in Frankfurt, in Helsinki oder im eigenen Keller. Bemerkenswert ist dabei eine Zahl, die in Produktvergleichen selten auftaucht: Salesforce zahlte 27,7 Milliarden US-Dollar für Slack, also nicht für eine Chat-Oberfläche, sondern im Kern für den Zugang zu den Kommunikationsgewohnheiten von Millionen Unternehmen weltweit. Wer begreift, warum ein CRM-Konzern so viel Geld für einen Messenger ausgibt, versteht auch, warum der Speicherort der eigenen Firmengespräche keine Nebensache ist.

Die üblichen Vergleiche zwischen Slack und Mattermost bleiben bei Funktionen, Integrationen und Lizenzpreisen pro Nutzer stehen. Das ist legitim, greift für europäische Unternehmen aber zu kurz. Bei Democratic Market stellen wir eine andere Frage: Wenn Ihr Team im Chat eine vertrauliche Verhandlung, einen Sicherheitsvorfall oder eine strategische Personalentscheidung bespricht, in welchem Land liegt dieses Gespräch dann, und welches Gesetz entscheidet darüber, wer Einsicht verlangen kann? Diese Frage hat nichts mit Misstrauen gegenüber einzelnen Anbietern zu tun, sondern mit nüchterner Risikoabwägung. Ein Chatverlauf enthält versehentlich geteilte Passwörter, Vertragsentwürfe, Gehaltsdiskussionen, Kundendaten und interne Einschätzungen, die niemals für Dritte bestimmt waren. Genau deshalb lohnt es sich, die beiden Plattformen nicht nur als Softwareprodukte, sondern als rechtliche Infrastruktur zu betrachten.

Warum die Rechtsordnung beim Firmenchat entscheidend ist

Der US-amerikanische CLOUD Act von 2018 erlaubt es US-Behörden, Daten von amerikanischen Technologieunternehmen anzufordern, unabhängig davon, in welchem Land die Server physisch stehen. Salesforce bietet für Slack Enterprise Grid Optionen zur Datenresidenz in der Europäischen Union an, doch die Muttergesellschaft bleibt letztlich dem US-Recht verpflichtet, genau wie Google, Microsoft, Atlassian oder Twilio. Für ein mittelständisches Unternehmen aus Baden-Württemberg bedeutet das: Selbst wenn die Nachrichten in einem Rechenzentrum in Frankfurt gespeichert sind, existiert eine rechtliche Verbindung in eine andere Jurisdiktion, die das Unternehmen weder kontrollieren noch vollständig überblicken kann. Die Vereinigten Staaten erreichen im Demokratieindex der Economist Intelligence Unit einen Wert von 7,85 und liegen damit klar über der Schwelle von 6,0, die Democratic Market für die Aufnahme in den Katalog verlangt. Es geht also nicht um einen autoritären Staat, sondern um die Frage, ob europäische Daten europäischen Regeln folgen.

Hinzu kommt die historische Erfahrung. Der Europäische Gerichtshof hat mit den Urteilen Schrems I im Jahr 2015 und Schrems II im Jahr 2020 bereits zwei Abkommen zum transatlantischen Datentransfer gekippt. Das aktuelle EU-US Data Privacy Framework aus dem Jahr 2023 gilt zwar, steht aber erneut unter juristischer Beobachtung. Für einen Firmenchat, dessen Verlauf über Jahre wächst, ist das ein strukturelles Risiko: Eine Entscheidung, die heute rechtssicher erscheint, kann morgen eine aufwendige Neubewertung durch den Datenschutzbeauftragten erfordern. Wer die gesamte interne Kommunikation einer Organisation auf einer einzigen Plattform bündelt, bündelt eben auch dieses Rechtsrisiko an einer einzigen Stelle. Deutsche Datenschutzaufsichtsbehörden, etwa der Landesbeauftragte in Baden-Württemberg, haben in den vergangenen Jahren wiederholt darauf hingewiesen, dass Verantwortliche die Transferkette ihrer Dienstleister dokumentieren und begründen müssen.

Die besten Slack-Alternativen mit demokratischer Kontrolle 2026

Mattermost Inc. geht auf SpinPunch zurück, ein Spieleunternehmen, das 2011 in San Francisco gegründet wurde. Im Jahr 2014 stand das Team vor demselben Problem, das Slack Jahre zuvor für sich selbst gelöst hatte: Es brauchte einen zuverlässigen internen Chat. 2015 wurde der Quellcode als Open Source veröffentlicht. Zwar sitzt auch das Unternehmen, das Mattermost pflegt, in den Vereinigten Staaten, doch das Produkt selbst ist Software, die jede Organisation auf einem eigenen Server in jedem beliebigen Land betreiben kann. Diese Möglichkeit ist keineswegs theoretisch. Zu den Kunden, die Mattermost selbst hosten, zählen europäische Industriekonzerne wie Airbus, Finanzinstitute wie die ING Bank aus den Niederlanden (EIU 9,01), große deutsche Industriegruppen wie Bosch und Daimler aus Deutschland (EIU 8,58) sowie Forschungseinrichtungen wie das CERN mit Sitz in der Schweiz (EIU 9,12). Für diese Organisationen bleibt der interne Chat damit unter derselben Rechtsordnung wie der Rest ihrer IT-Infrastruktur.

Neben Mattermost lohnt ein Blick auf weitere Werkzeuge mit europäischer Verankerung. Element, der bekannteste Client für das offene Matrix-Protokoll, wird von New Vector Ltd. aus London entwickelt, das Vereinigte Königreich erreicht im EIU-Index 8,28. Die Bundeswehr setzt mit dem BwMessenger auf Matrix, ebenso das Gesundheitswesen über den TI-Messenger der gematik, und auch die französische Regierung nutzt mit Tchap eine Matrix-basierte Lösung. Wire, ursprünglich in der Schweiz gegründet und heute mit wesentlichen Teilen in Berlin tätig, bietet Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für Teams. Rocket.Chat aus Brasilien (EIU 6,49) ist ebenfalls quelloffen und selbst hostbar. Für die meisten deutschen Unternehmen, die eine Slack-ähnliche Bedienung mit Kanälen, Threads und Integrationen suchen, bleibt Mattermost jedoch die naheliegendste Alternative, weil die Benutzeroberfläche den Umstieg für Mitarbeitende besonders leicht macht und die Schnittstellen weitgehend mit Slack-Webhooks kompatibel sind.

Slack unter Salesforce: wo das demokratische Risiko liegt

Slack Technologies wurde 2009 in Vancouver als Tiny Speck gegründet, das Spieleunternehmen von Stewart Butterfield, der zuvor Flickr mitgegründet hatte. Das interne Chatwerkzeug, mit dem sich das Team während der Entwicklung des Spiels Glitch abstimmte, erwies sich als wertvoller als das Spiel selbst. Nach dem Ende von Glitch im Jahr 2012 konzentrierte sich das Team vollständig auf die Messaging-Lösung, die 2013 als Slack öffentlich startete. Im Dezember 2020 kündigte Salesforce die Übernahme für 27,7 Milliarden US-Dollar an, im Juli 2021 wurde sie abgeschlossen. Seitdem operiert Slack als Teil von Salesforce mit Sitz in San Francisco. Die kanadischen Wurzeln, Kanada erreicht im EIU-Index 8,89 und gilt als vollständige Demokratie, sind heute nur noch eine historische Randnotiz. Infrastruktur, rechtliche Muttergesellschaft und die für die Daten maßgebliche Rechtsordnung sind vollständig amerikanisch.

Das eigentliche demokratische Risiko von Slack liegt daher nicht im Herkunftsland, sondern in der fehlenden Entkopplung. Kunden können innerhalb der von Salesforce angebotenen Optionen eine Speicherregion festlegen, doch die Infrastruktur bleibt vom Konzern verwaltet und seinem Rechtsrahmen unterworfen. Besonders deutlich wird das bei Übernahmen: Slack wechselte innerhalb weniger Monate von einem unabhängigen, an der Börse notierten Unternehmen zu einer Salesforce-Tochter, und kein einziger Kunde hatte ein Mitspracherecht bei diesem Wechsel der rechtlichen Muttergesellschaft. Ähnliches gilt für die Nutzung von Kommunikationsdaten für KI-Funktionen. 2024 sorgte die Datenschutzrichtlinie von Slack für Diskussionen, weil sie Kundendaten für das Training globaler Modelle vorsah, sofern Administratoren nicht aktiv widersprachen. Salesforce präzisierte die Regeln daraufhin, doch der Vorgang zeigt, wie schnell sich die Bedingungen eines verwalteten Dienstes ändern können, ohne dass der Kunde mehr als die Wahl hat, zu bleiben oder zu kündigen.

Slack vs Mattermost Vergleich: Funktionen, Preis und demokratisches Profil

Slack bietet ein ausgereiftes Nutzererlebnis, ein Ökosystem von mehr als 2.600 Integrationen, eingebaute Audio- und Videohuddles sowie eine sehr flache Lernkurve dank vieler Jahre Produktpflege. Mattermost bildet die meisten Kernfunktionen nach, also Kanäle, Threads, Videoanrufe, Webhooks und eine API, die mit vielen Slack-Integrationen kompatibel ist, richtet sich aber stärker an technische Teams, DevOps-Abteilungen und Branchen mit strengen Compliance-Anforderungen. Für das Incident-Management liefert Mattermost die sogenannten Playbooks direkt mit, eine Funktion, die Sicherheits- und Betriebsteams Schritt für Schritt durch die Reaktion auf einen Vorfall führt, direkt im Chat. Slack bietet vergleichbare Abläufe über Integrationen mit externen Werkzeugen wie PagerDuty oder Jira Service Management an, aber nicht als native Funktion des Grundprodukts. Wer bereits im Salesforce-Ökosystem arbeitet, profitiert umgekehrt von der engen Verzahnung von Slack mit CRM-Daten und Automatisierungen, die Mattermost so nicht bieten kann.

Beim Preis rechnet Slack pro Nutzer und Monat ab, im kostenlosen Tarif ist der sichtbare Nachrichtenverlauf auf 90 Tage begrenzt, und die Pro- sowie Business-Plus-Tarife liegen je nach Abrechnungsmodell im Bereich von rund 7 bis 15 Euro pro Person und Monat. Mattermost ist in der selbst gehosteten Open-Source-Edition kostenlos und bietet kostenpflichtige Professional- und Enterprise-Pläne mit Support, erweiterter Rechteverwaltung und Compliance-Exporten. Die realen Kosten der Selbsthosting-Variante liegen im Server und in der Wartungszeit, nicht in Lizenzen. Ein virtueller Server bei einem deutschen Anbieter wie Hetzner, IONOS oder netcup reicht für ein Team von 50 bis 100 Personen in der Regel aus und kostet monatlich einen niedrigen zweistelligen Betrag. Im demokratischen Profil liegen beide Hersteller mit 7,85 gleichauf, doch Mattermost erlaubt eine vollständige Verlagerung der Daten in eine Rechtsordnung mit deutlich höherer Punktzahl: Deutschland 8,58, Niederlande 9,01, Finnland 9,20.

Aufbewahrungspflichten, Zertifizierungen und Behördeneinsatz

Für europäische Finanzunternehmen verlangt MiFID II, handelsbezogene Kommunikation mindestens fünf Jahre lang aufzubewahren und der Aufsicht auf Anfrage vorzulegen. In Deutschland überwacht die BaFin die Einhaltung dieser Pflichten. Slack Enterprise Grid deckt sie über Integrationen mit spezialisierten Archivanbietern wie Global Relay oder Smarsh ab, was einen dritten Dienstleister und damit eine dritte zu prüfende Rechtsordnung in die Compliance-Kette einfügt. Bei selbst gehostetem Mattermost liegt der Nachrichtenverlauf in derselben Datenbank, die die Organisation selbst verwaltet. Aufbewahrung, Verschlüsselung und Zugriff für rechtliche Prüfungen werden einmal konfiguriert, ohne zusätzlichen Archivanbieter und ohne dessen eigene Unterauftragnehmer. Das vereinfacht nicht nur die Dokumentation gegenüber der Aufsicht, sondern auch die Beantwortung von Auskunftsersuchen nach Artikel 15 DSGVO, weil alle relevanten Daten an einem bekannten Ort liegen.

Mattermost verfügt über eine FedRAMP-High-Autorisierung über den Partner FedHIVE und wurde in Umgebungen der Impact Level 4, 5 und 6 des US-Verteidigungsministeriums eingesetzt, ebenso in klassifizierten Netzen wie JWICS. Das ist die anspruchsvollste staatliche Zertifizierungsstufe unter den hier verglichenen Werkzeugen, und sie ist gerade deshalb möglich, weil das Selbsthosting-Modell den Betrieb in vollständig vom Internet getrennten Netzen erlaubt. Slack hält über Salesforce die Zertifizierungen SOC 2 Typ II und ISO 27001 und bietet ein eigenes Angebot für den öffentlichen Sektor in den USA. Doch als verwalteter Dienst lebt all diese Zertifizierung innerhalb einer Infrastruktur, die Salesforce kontrolliert. Keine Kundenorganisation kann Slack in einem physisch abgeschotteten Netz betreiben, wie es mit Mattermost möglich ist. Für deutsche Behörden, die sich am IT-Grundschutz des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik orientieren, ist dieser Unterschied häufig ausschlaggebend.

EU-Gesetzgebung 2026: DORA, NIS2 und Data Act

Für regulierte Branchen verschärft der europäische Rechtsrahmen 2026 die Anforderungen an die Auswahl von Kommunikationswerkzeugen spürbar. Die DORA-Verordnung gilt seit Januar 2025 für den Finanzsektor und verpflichtet Banken, Versicherer und Wertpapierfirmen, die Risiken durch IKT-Drittdienstleister formal zu erfassen, zu bewerten und in einem Informationsregister zu dokumentieren. Die NIS2-Richtlinie, in Deutschland über das NIS2-Umsetzungs- und Cybersicherheitsstärkungsgesetz in nationales Recht überführt, erweitert ähnliche Pflichten auf Tausende Unternehmen aus Energie, Transport, Gesundheit, Abfallwirtschaft und digitaler Infrastruktur. Eine Bank oder ein Betreiber kritischer Infrastruktur, der Slack nutzt, muss gegenüber seiner Aufsicht die amerikanische Unterauftragskette begründen. Wer Mattermost in Europa selbst betreibt, kann diese Begründung erheblich vereinfachen, weil die Kette im Idealfall nur noch aus dem eigenen Unternehmen und einem europäischen Rechenzentrumsbetreiber besteht.

Hinzu kommt der EU Data Act, dessen wesentliche Pflichten seit September 2025 gelten. Er verlangt von Cloud-Anbietern, den Wechsel zu einem anderen Dienst technisch und vertraglich zu erleichtern und Wechselgebühren schrittweise abzuschaffen. Für Slack-Kunden stärkt das die Verhandlungsposition, falls sie später zu einer selbst gehosteten Lösung wechseln möchten, denn der vollständige Export des Nachrichtenverlaufs darf nicht künstlich erschwert werden. Parallel dazu bleibt die DSGVO der Maßstab für jeden Transfer personenbezogener Daten außerhalb der Union, und die Pflicht zur Datenschutz-Folgenabschätzung greift, sobald ein Chat systematisch sensible Kategorien wie Gesundheitsdaten von Beschäftigten verarbeitet. In der Praxis bedeutet das: Je stärker ein Unternehmen reguliert ist, desto mehr Dokumentationsaufwand spart es mit einer Lösung, deren gesamte Verarbeitungskette innerhalb der Europäischen Union liegt.

Wie Democratic Market interne Kommunikationssoftware bewertet

Wir bewerten Software für interne Kommunikation nach denselben Kriterien, die wir auf jedes Produkt anwenden: Herkunftsland des Unternehmens, EIU-Wert dieser Rechtsordnung, tatsächliche Optionen zur Datenresidenz und, für Software besonders wichtig, die Existenz eines Selbsthosting-Pfads, der die Nutzung des Produkts vollständig von der Rechtsordnung des Herstellers entkoppelt. Weder Slack noch Mattermost Inc. werden aufgrund ihrer demokratischen Herkunft ausgeschlossen, beide operieren aus einem Land mit 7,85 Punkten. Der entscheidende Unterschied liegt nicht in der Nationalität des Herstellers, sondern darin, ob der Endkunde die Nutzung vom Hersteller lösen kann. Bei Slack ist diese Entkopplung begrenzt, bei selbst gehostetem Mattermost ist sie vollständig: Server, Hosting-Anbieter und anwendbares Recht wählt allein die Organisation.

Dieses Kriterium skaliert mit dem Inhalt der Gespräche und ist keine pauschale Regel gegen ein bestimmtes Werkzeug. Ein Betriebsfestkomitee, das die Weihnachtsfeier plant, hat ein völlig anderes Risikoprofil als ein Finanzteam, das eine noch nicht angekündigte Übernahme bespricht. Es ist durchaus vernünftig, dass dieselbe Organisation Slack und eine selbst gehostete Mattermost-Instanz parallel betreibt und jedes Gespräch auf die Plattform lenkt, deren Rechtsordnung zum Inhalt passt. Dieselbe Logik wenden wir auf Microsoft Teams, Discord für Communities und jede aufkommende europäische Alternative an. Die Frage bleibt immer gleich: Kann der Endkunde auf Grundlage überprüfbarer Fakten statt Marketingversprechen selbst entscheiden, welches Recht für seine sensibelsten Informationen gilt? Mattermost ist in diesem Sinne nicht einfach eine günstigere Alternative zu Slack, sondern eine grundsätzlich andere Antwort auf dasselbe Problem.

Kaufberatung: Schritt für Schritt zum passenden Firmenchat

Erstens: Klassifizieren Sie, was in Ihrem Chat tatsächlich besprochen wird. Halten Sie schriftlich fest, ob dort Kundendaten, Gesundheitsinformationen, Vertragsentwürfe, Quellcode oder Insiderinformationen im Sinne der Marktmissbrauchsverordnung zirkulieren. Ist Ihr Team klein, verarbeitet keine besonders sensiblen Informationen und legt größten Wert auf Bedienkomfort, bleibt Slack eine vertretbare Wahl. Aktivieren Sie in diesem Fall die EU-Datenresidenz, sofern Ihr Tarif sie anbietet, prüfen Sie die Einstellungen zur Nutzung von Daten für KI-Funktionen und lesen Sie die Compliance-Dokumentation von Salesforce mindestens einmal jährlich. Zweitens: Arbeiten Sie in einer regulierten Branche, verarbeiten Sie vertrauliche Kundeninformationen oder möchten Sie Ihre interne Kommunikation schlicht nicht vom US-Recht abhängig machen, dann evaluieren Sie selbst gehostetes Mattermost bei einem europäischen Anbieter. Ein Pilotbetrieb mit einer Abteilung über vier bis sechs Wochen zeigt zuverlässig, ob Bedienung und Integrationen ausreichen.

Drittens: Legen Sie unabhängig vom Werkzeug eine klare Richtlinie zur Aufbewahrung und Löschung des Chatverlaufs fest, und vermeiden Sie es, Passwörter, Verträge oder sensible personenbezogene Daten direkt im Chat zu teilen. Keine Residenzeinstellung ersetzt gute Datenhygiene, und kein Selbsthosting schützt vor einem Screenshot, der in einem falschen Kanal landet. Viertens: Berücksichtigen Sie die Kosten eines späteren Meinungswechsels. Die Migration eines vollständigen Verlaufs von Slack zu Mattermost ist über dokumentierte Export- und Importwerkzeuge möglich, wird aber umso aufwendiger, je größer der Verlauf und je mehr Integrationen von der spezifischen API eines Produkts abhängen. Fünftens: Beziehen Sie Betriebsrat und Datenschutzbeauftragten früh ein. In Deutschland ist die Einführung eines Kommunikationswerkzeugs, das zur Leistungs- und Verhaltenskontrolle geeignet ist, nach Paragraf 87 des Betriebsverfassungsgesetzes mitbestimmungspflichtig, und eine sauber dokumentierte Datenstandortentscheidung erleichtert diese Gespräche erheblich.

Fazit: Auch das Gespräch hat eine Rechtsanschrift

Slack und Mattermost stammen aus demselben Land und teilen denselben Demokratiewert, bieten aber radikal unterschiedliche Kontrolle darüber, wo die Gespräche Ihres Unternehmens tatsächlich leben. Das eine Produkt erlaubt es, Optionen innerhalb eines Rahmens zu aktivieren, der dem Anbieter gehört. Das andere übergibt Ihnen die Schlüssel vollständig. Unsere konkrete Empfehlung für Leserinnen und Leser in Deutschland, Österreich und der Schweiz lautet deshalb: Für allgemeine Teamkommunikation ohne besondere Souveränitätsanforderungen ist Slack mit aktivierter EU-Datenresidenz eine solide Standardlösung. Für Finanzdienstleister, Behörden, Gesundheitseinrichtungen, Rüstungs- und Industrieunternehmen sowie für jede Organisation, die unter DORA oder NIS2 fällt, ist selbst gehostetes Mattermost bei einem deutschen oder anderen EU-Rechenzentrumsbetreiber die demokratisch robustere Wahl, idealerweise mit einem Professional- oder Enterprise-Supportvertrag, damit Sicherheitsupdates zuverlässig eingespielt werden. Überprüfen Sie diese Entscheidung, sobald sich Ihr Risikoprofil ändert, etwa durch einen neuen regulierten Kunden oder einen öffentlichen Auftrag, und verankern Sie die Prüfung in Ihrer jährlichen Lieferantenbewertung, statt auf einen Vorfall zu warten.

Stay informed

New articles every week. No spam.